Unterstützendes Gespräch zwischen zwei Personen in ruhiger Umgebung.

Nach der Geburt

Stillen mit HS

Zum Stillen mit HS gibt es besonders wenig Forschung — und besonders viele praktische Fragen. Dieser Artikel benennt beides.

← Zurück zu Schwangerschaft & Familienplanung

Stillen ist der Teil dieses Hubs mit der dünnsten Evidenz. Es gibt kaum Studien, die gezielt untersucht haben, wie sich HS während der Stillzeit verhält. Eine internationale Befragung berichtet, dass ein Teil der zuvor Schwangeren angab, HS habe die Stillfähigkeit beeinträchtigt — und dass eine der häufigsten Hürden die Annahme war, während Schwangerschaft und Stillzeit lasse sich ohnehin nichts machen.

Diese Annahme ist der eigentliche Grund für diesen Artikel. Dass wenig erforscht ist, heißt nicht, dass es nichts zu besprechen gibt.

Kurz gefasst

  • Beteiligung der Brust oder der Achsel kann Stillen praktisch erschweren — Positionierung, Anlegen und Schmerz sind die häufigsten Punkte.
  • Fragen zu Behandlung und Stillzeit sollten vor der Geburt geklärt werden, nicht im Wochenbett.
  • Jede Entscheidung über Ernährung des Kindes ist legitim; Stillen ist kein Maßstab für gute Elternschaft.
  • Hebammen und Stillberatung sind zuständig und dürfen einbezogen werden, auch wenn sie HS nicht kennen.

Wenn Brust oder Achsel betroffen sind

Begrenzte Evidenz Beruht vor allem auf Fallserien, ersten Studien oder Expertenkonsens.

HS tritt typischerweise in Hautfalten auf — unter der Brust und in den Achseln gehören zu den häufigen Stellen. Beides liegt genau dort, wo beim Stillen Kontakt, Druck und Bewegung entstehen.

Praktisch relevant sind vor allem drei Dinge: Schmerz beim Halten und Anlegen, offene oder nässende Stellen in unmittelbarer Nähe der Stillposition, und Wundauflagen, die beim Stillen im Weg sind oder verrutschen. Keines dieser Probleme ist ungewöhnlich, und keines muss allein gelöst werden.

Positionierung und Praktisches

Begrenzte Evidenz Beruht vor allem auf Fallserien, ersten Studien oder Expertenkonsens.

Stillpositionen sind veränderbar, und genau darin liegt der praktische Spielraum. Welche Position in Ihrem Fall funktioniert, hängt davon ab, wo Sie betroffen sind — das lässt sich nicht allgemein sagen, aber gut gemeinsam mit einer Hebamme oder Stillberatung ausprobieren.

  • Sagen Sie der Hebamme oder Stillberatung früh, wo Sie betroffen sind, damit Positionen gezielt angepasst werden können.
  • Klären Sie vorab, welche Wundauflagen in der Nähe der Brust angewendet werden können und wie mit ihnen beim Stillen umgegangen wird.
  • Kleidung, die Druck auf die Falte unter der Brust ausübt, kann in dieser Zeit besonders stören; dazu gibt es auf dieser Website einen eigenen Ratgeber.
  • Abpumpen, Teilstillen und Flaschenernährung sind mögliche Wege, wenn Stillen zu schmerzhaft ist — das gehört besprochen, nicht ausgehalten.
  • Erschöpfung und Schmerz verstärken sich gegenseitig; Unterstützung im Alltag ist hier ein medizinisch relevanter Faktor.

Behandlung und Stillzeit: ein Gespräch, kein Nachschlagen

Begrenzte Evidenz Beruht vor allem auf Fallserien, ersten Studien oder Expertenkonsens.

Ob und wie eine Behandlung während der Stillzeit fortgeführt wird, ist eine individuelle ärztliche Entscheidung. Diese Website nennt dazu bewusst keine Wirkstoffe und trifft keine Aussagen zur Anwendung in der Stillzeit.

Was sich sagen lässt, ist etwas anderes — und in der Praxis oft wichtiger: Dieses Gespräch sollte vor der Geburt stattfinden. Im Wochenbett fehlen Zeit, Termine und Kraft, um es nachzuholen, und die häufig berichtete Annahme, es lasse sich in dieser Zeit ohnehin nichts machen, führt dazu, dass gar nicht erst gefragt wird.

Wenn Stillen nicht funktioniert

Erfahrungsbericht Von einzelnen Betroffenen berichtet — keine wissenschaftliche Evidenz.

Manche Menschen mit HS stillen ohne besondere Schwierigkeiten. Andere entscheiden sich nach Schmerzen, Wundheilung oder Erschöpfung dagegen — oder für einen Zwischenweg.

Das ist keine Niederlage. Der Druck rund um das Stillen ist ohnehin groß, und bei einer schmerzhaften Hauterkrankung an genau dieser Stelle kommt eine zusätzliche Ebene dazu. Eine informierte, gut begleitete Entscheidung ist das Ziel — nicht ein bestimmtes Ergebnis.

Fragen für Ihr Behandlungsteam

Das sind Anregungen, keine Ratschläge. Nehmen Sie mit, was zu Ihrer Situation passt — die druckbare Checkliste fasst alle Fragen zusammen.

  • Wie wirkt sich meine aktuelle Behandlung auf das Stillen aus — und wann besprechen wir das?
  • Welche Wundversorgung ist in der Nähe der Brust möglich, wenn ich stille?
  • An wen wende ich mich, wenn Stillen wegen HS-Beschwerden nicht funktioniert?
  • Kann eine Stillberatung einbezogen werden, die über meine HS informiert ist?
  • Was mache ich bei einem Schub in der Achsel oder unter der Brust während der Stillzeit?
  • Welche Alternativen gibt es, wenn Stillen zu schmerzhaft ist?

Fragen vor einer Schwangerschaft →

Häufige Fragen

Kann ich mit HS stillen?

Viele Menschen mit HS stillen. Ob es in Ihrem Fall gut funktioniert, hängt unter anderem davon ab, ob Brust oder Achsel betroffen sind und wie Ihre Behandlung aussieht — beides gehört vor der Geburt besprochen.

Kann mein Kind sich über die Muttermilch mit HS anstecken?

Nein. HS ist nicht ansteckend und wird nicht über Muttermilch übertragen.

Was, wenn eine betroffene Stelle direkt an der Brust liegt?

Das ist ein guter Grund, frühzeitig Hebamme oder Stillberatung sowie Ihre dermatologische Praxis einzubeziehen. Positionierung, Wundversorgung und Schmerzbehandlung lassen sich gemeinsam anpassen — allgemeine Empfehlungen dazu kann diese Website nicht geben.

Weiter in diesem Bereich

Wissenschaftliche Recherche und redaktionelle Prüfung

Zuletzt redaktionell geprüft: · Nächste geplante Prüfung:

Reproduktive Gesundheit bei HS ist ein Bereich, in dem der Bedarf der Betroffenen die Evidenz deutlich übersteigt. Der Verlauf in der Schwangerschaft ist in Kohortenstudien beschrieben und in einer Metaanalyse zusammengefasst; zu Fruchtbarkeit und Stillzeit gibt es kaum Untersuchungen. Jede Seite in diesem Bereich trägt deshalb eine Evidenzeinstufung, und Abschnitte benennen ausdrücklich, wo die Evidenz endet.

Bevölkerungsbezogene Ergebnisse zu Schwangerschaftsverläufen werden hier als Zusammenhänge dargestellt, die sich mit begleitenden Erkrankungen überschneiden — als Argument für eine gut abgestimmte Betreuung, nie als Vorhersage für eine einzelne Schwangerschaft.

Keine Seite in diesem Bereich nennt einen einzelnen Wirkstoff oder sagt, ob eine Behandlung in Schwangerschaft oder Stillzeit geeignet ist. Diese Fragen werden konsequent an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zurückgegeben, weil nur sie das für Ihre Situation abwägen können.

Dieser Bereich ist quellengestützt und wird mindestens einmal jährlich überprüft. Ändert sich eine zitierte Leitlinie, Übersicht oder Studie, werden diese Seiten aktualisiert.

Wie wir arbeiten: Redaktionelle Richtlinien

Mein HS-Zuhause Ihre Terminfragen, gespeicherten Werkzeuge und mehr an einem Ort — ohne Konto. HS-Behandlungsgespräch vorbereiten Eine Fragenliste für den nächsten Dermatologie-Termin zusammenstellen. Mein HS-Behandlungsteam Wer über die Dermatologie hinaus beteiligt sein kann — und wie die Fachgebiete miteinander sprechen. Verhütung und Acne inversa Noch keine Schwangerschaft geplant? Wie Verhütungsmethode, HS-Symptome und HS-Medikamente zusammenhängen — und warum Verhütungssicherheit an erster Stelle steht. Acne inversa und der Menstruationszyklus Eine andere Frage als die Schwangerschaft: was die Forschung zu Schüben rund um die Periode zeigt und wie sich ein wiederkehrendes Muster erkennen lässt. Acne inversa, Perimenopause und Wechseljahre Eine spätere hormonelle Lebensphase, als dieser Ratgeber behandelt: was Umfragedaten tatsächlich über HS nach der Menopause zeigen — und warum eine Besserung nicht selbstverständlich ist. Leben mit Acne Inversa Der größere Alltags-Ratgeber: Routinen, Arbeit, Beziehungen und langfristiges Selbstmanagement. HS-Wundversorgung & Verbände Nässen, Verbandwechsel und Schutz von Kleidung — nach Situationen geordnet. HS: Kleidung & Reibung Warum sich Reibung je nach Körperstelle unterscheidet — hilfreich, wenn sich der Körper verändert. Symptom-Tracker Schübe, Schmerzen und Muster dokumentieren und die Auswertung zum Termin mitnehmen. Behandlungsoptionen bei Acne Inversa Wie HS behandelt wird und wie Selbstmanagement daneben steht.

Quellen

  1. Adelekun AA, Villa NM, Hsiao JL, Micheletti RG. Pregnancy in Hidradenitis Suppurativa — Patient Perspectives and Practice Gaps JAMA Dermatology, 2021;157(2):227–230 — Befragung zu Beratungslücken bei Kinderwunsch, Vererbbarkeit, Medikamenten und sexueller Gesundheit
  2. Seivright JR et al. Impact of Pregnancy on Hidradenitis Suppurativa Disease Course: A Systematic Review and Meta-Analysis Dermatology, 2022;238(2):260–266 — gepoolte Raten für Besserung, Verschlechterung und Schübe nach der Geburt
  3. Lyons AB et al. Evaluation of Hidradenitis Suppurativa Disease Course During Pregnancy and Postpartum JAMA Dermatology, 2020;156(6):681–685 — Kohortenstudie; häufige Verschlechterung nach der Geburt bei gleichzeitig geringer dermatologischer Betreuung
  4. Fitzpatrick L, Hsiao J, Tannenbaum R, Strunk A, Garg A. Adverse pregnancy and maternal outcomes in women with hidradenitis suppurativa Journal of the American Academy of Dermatology, 2022;86(1):46–54 — bevölkerungsbezogene Analyse; Zusammenhänge überschneiden sich mit begleitenden Erkrankungen
  5. Barnes LA, Rinderknecht FB, Hsiao JL, Naik HB. Global barriers to sexual health, pregnancy, and breastfeeding in hidradenitis suppurativa International Journal of Women's Dermatology, 2026 — internationale Befragung zu Hürden bei sexueller Gesundheit, Schwangerschaft und Stillzeit
  6. Özbek Ç et al. Hidradenitis Suppurativa Treatment During Pregnancy and Lactation: Navigating Challenges International Journal of Dermatology, 2025 — Übersichtsarbeit zur Betreuung in Schwangerschaft und Stillzeit
  7. Collier EK et al. Pregnancy and breastfeeding in hidradenitis suppurativa: A review of medication safety Dermatologic Therapy, 2021;34(2):e14674 — Fachübersicht für Behandelnde; Grundlage für ärztliche Abwägungen, nicht für Selbstentscheidungen
  8. MedlinePlus Genetics (U.S. National Library of Medicine): Hidradenitis suppurativa Patienteninformation zur Genetik; etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen haben mindestens eine weitere betroffene Person in der Familie
  9. Europäische S2k-Leitlinie zu Hidradenitis suppurativa / Acne inversa, Teil 2: Behandlung Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2025 — Einordnung von Behandlung und Selbstmanagement