HS betrifft überwiegend Menschen im gebärfähigen Alter, und die Erkrankung wirkt sich auf Bereiche des Körpers aus, die eng mit Sexualität und Selbstbild verbunden sind. Trotzdem wird über Kinderwunsch selten gesprochen — in einer Befragung gaben mehr als vier von fünf Teilnehmenden an, dazu nie beraten worden zu sein.
Dieser Artikel beantwortet keine individuellen medizinischen Fragen. Er soll Ihnen ermöglichen, ein Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam vorbereitet zu führen — mit realistischen Erwartungen daran, was die Forschung derzeit hergibt.
Kurz gefasst
- Es gibt keinen Beleg dafür, dass HS eine Schwangerschaft grundsätzlich unmöglich macht.
- Zur Frage, ob HS selbst die Fruchtbarkeit beeinflusst, liegen kaum Studien vor.
- Eine familiäre Häufung ist gut beschrieben — ein einfacher Erbgang ist es nicht.
- Schmerzen und Beschwerden im Intimbereich können den Kinderwunsch praktisch erschweren, auch wenn biologisch nichts dagegenspricht.
Was die Evidenz derzeit sagt
Begrenzte Evidenz Beruht vor allem auf Fallserien, ersten Studien oder Expertenkonsens.
Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass Hidradenitis suppurativa als solche unfruchtbar macht. Menschen mit HS werden schwanger, tragen Schwangerschaften aus und bekommen Kinder — das ist in Kohortenstudien zum Schwangerschaftsverlauf dokumentiert, die überhaupt erst möglich waren, weil es genügend Schwangerschaften zu untersuchen gab.
Gleichzeitig ist die ehrliche Antwort auf die Frage „beeinflusst HS die Fruchtbarkeit?“ derzeit: Das ist kaum untersucht. Es gibt keine großen Studien, die gezielt die Zeit bis zur Schwangerschaft oder die Rate ungewollter Kinderlosigkeit bei HS im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erfasst haben. Fehlende Evidenz ist nicht dasselbe wie Evidenz für Unbedenklichkeit — sie bedeutet, dass die Frage offen ist.
Verbreitete Missverständnisse
Moderate Evidenz Durch übereinstimmende Beobachtungsstudien oder kleinere Studien gestützt.
Ein Teil der Verunsicherung rund um HS und Kinderwunsch beruht auf Annahmen, die sich klar korrigieren lassen:
- HS ist keine Geschlechtskrankheit und wird nicht sexuell übertragen — auch dann nicht, wenn Leiste oder Genitalbereich betroffen sind.
- HS ist nicht ansteckend. Weder Partnerin oder Partner noch ein Kind können sich anstecken.
- Betroffene Haut in der Leiste bedeutet nicht, dass die inneren Geschlechtsorgane betroffen sind. HS ist eine Erkrankung der Haut und der Haarfollikel-Einheiten.
- Narben in der Leistenregion sind nicht gleichbedeutend mit einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit; sie können aber Beschwerden verursachen, die eigene Beachtung verdienen.
- Eine HS-Diagnose ist kein medizinischer Grund, von einer Schwangerschaft abzuraten.
Vererbbarkeit: was Familien wissen wollen
Moderate Evidenz Durch übereinstimmende Beobachtungsstudien oder kleinere Studien gestützt.
„Bekommt mein Kind das auch?“ gehört zu den häufigsten Fragen — und zu denen, die am seltensten beantwortet werden. In der bereits genannten Befragung hatten vier von fünf Teilnehmenden nie Informationen zur Vererbbarkeit erhalten.
Bekannt ist: HS tritt in Familien gehäuft auf. Etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen berichten von mindestens einer weiteren betroffenen Person in der Familie, und Zwillingsstudien sprechen für einen erheblichen genetischen Anteil. Nur bei einer kleinen Minderheit lässt sich jedoch eine einzelne ursächliche Genveränderung nachweisen.
Praktisch bedeutet das: Eine familiäre Veranlagung ist real, aber sie ist keine Vorhersage. Aus einer HS-Diagnose lässt sich keine konkrete Wahrscheinlichkeit für ein einzelnes Kind ableiten, und HS entsteht aus einem Zusammenspiel von Veranlagung und weiteren Faktoren.
Sexuelle Gesundheit als Teil des Themas
Moderate Evidenz Durch übereinstimmende Beobachtungsstudien oder kleinere Studien gestützt.
Zwischen „biologisch spricht nichts dagegen“ und „im Alltag ist es einfach“ liegt oft eine große Lücke. Schmerzen, offene Stellen, Nässen, Geruchssorgen und Erschöpfung wirken sich auf Sexualität aus; internationale Befragungen beschreiben genau das, ebenso wie den Zusammenhang mit Ängsten und depressiven Beschwerden.
Für den Kinderwunsch heißt das: Manche Paare haben keine biologische, sondern eine praktische Hürde. Diese Hürde ist behandelbar und ansprechbar — sie ist ein legitimer Teil der Sprechstunde und kein Randthema.
Wenn Sie sich auf eine Schwangerschaft vorbereiten
Begrenzte Evidenz Beruht vor allem auf Fallserien, ersten Studien oder Expertenkonsens.
Der wichtigste praktische Punkt ist der Zeitpunkt: Ein Gespräch über Kinderwunsch ist dann am nützlichsten, wenn es vor der Empfängnis stattfindet — nicht erst beim positiven Test. Das gibt Ihrem Behandlungsteam Spielraum, den Behandlungsplan in Ruhe zu besprechen, statt kurzfristig reagieren zu müssen.
Wie eine solche Vorbereitung aussehen kann, ist im nächsten Artikel dieses Hubs ausführlich beschrieben.
Fragen für Ihr Behandlungsteam
Das sind Anregungen, keine Ratschläge. Nehmen Sie mit, was zu Ihrer Situation passt — die druckbare Checkliste fasst alle Fragen zusammen.
- Gibt es in meinem Fall etwas, das gegen eine Schwangerschaft spricht?
- Was ist über Fruchtbarkeit bei HS bekannt — und was ist offen?
- Wie hoch ist das Risiko, dass ein Kind ebenfalls HS entwickelt, vor dem Hintergrund meiner Familiengeschichte?
- An wen kann ich mich wenden, wenn Beschwerden im Intimbereich Sexualität erschweren?
- Sollte ich vor einem Kinderwunsch etwas an meinem Behandlungsplan besprechen — und wann wäre der richtige Zeitpunkt dafür?
- Wer koordiniert Dermatologie und Frauenheilkunde, wenn es so weit ist?
Häufige Fragen
Macht HS unfruchtbar?
Dafür gibt es keinen Beleg. HS ist eine entzündliche Erkrankung der Haut und der Haarfollikel-Einheiten und betrifft nicht die inneren Geschlechtsorgane. Untersucht ist die Frage allerdings kaum, sodass keine belastbaren Zahlen zur Fruchtbarkeit bei HS vorliegen.
Kann ich HS an mein Kind weitergeben?
Eine familiäre Häufung ist gut beschrieben: Etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen haben mindestens eine weitere betroffene Person in der Familie. Ein einfacher Erbgang liegt aber nicht vor, und aus einer Diagnose lässt sich keine konkrete Wahrscheinlichkeit für ein einzelnes Kind ableiten. Eine Einordnung Ihrer eigenen Familiengeschichte gehört in die Sprechstunde.
Sollte ich mit einer Schwangerschaft warten, bis meine HS besser ist?
Das ist eine individuelle Entscheidung, die von Ihrem Verlauf, Ihrer aktuellen Behandlung und Ihrer Lebenssituation abhängt — und die in Ihre Sprechstunde gehört. Diese Website kann und darf sie nicht für Sie beantworten.
Ist HS sexuell übertragbar?
Nein. HS ist weder eine Geschlechtskrankheit noch ansteckend, auch nicht bei Beteiligung von Leiste oder Genitalbereich.