Person macht ruhige Dehn- und Bewegungsübungen auf einer Matte in einem hellen Raum.

Alltag

Sport bei Acne inversa (Akne inversa): Aktiv bleiben, ohne Schübe zu befeuern

Viele Menschen mit HS hören aus Angst vor einem Schub still mit dem Sport auf. Dieser Leitfaden zeigt, was die Forschung zu HS und körperlicher Aktivität tatsächlich zeigt, warum Hitze, Schweiß und Reibung — nicht die Belastung selbst — die eigentlichen Auslöser sind, und wie sich eine Routine aufbauen lässt, die mit der Erkrankung arbeitet statt gegen sie.

In 60 Sekunden

Wenn Sie sich nur fünf Dinge merken, dann diese:

  • Sport ist keine häufige Ursache für HS-Schübe; Hitze, Schweiß und Reibung sind die konkreten Auslöser, nicht die Belastung selbst.
  • Sport aus Angst zu meiden ist verbreitet, hängt aber mit eingeschränkter Beweglichkeit und Muskelschwäche im Zeitverlauf zusammen.
  • Ein 12-wöchiges Widerstandsband-Programm verbesserte Kraft und Ausdauer bei HS-Patient:innen, ohne dass Sport selbst mit mehr Schüben verbunden war.
  • Reibungsarme Aktivitäten wie Schwimmen, Yoga und strukturiertes Krafttraining lassen sich meist leichter durchhalten als reibungsintensive Sportarten.
  • Eine kurze Routine vor und nach dem Training — Barriereprodukt, atmungsaktive Kleidung, zügiges Duschen — senkt das reibungsbedingte Schubrisiko.

Wenn HS Sie bisher vom Sport abgehalten hat, ist die Belastung selbst wahrscheinlich nicht das Problem — meist ist es das Umfeld drumherum. Schweiß, Reibung und Hitze anzupassen, statt Bewegung zu meiden, ist das, worauf die aktuelle Evidenz hindeutet.

Die formale Sportforschung bei HS ist noch klein und meist kurzfristig angelegt. Sie zeigt bisher nicht, welche Sportarten oder Trainingsumfänge für wen geeignet sind oder wie sich Befunde außerhalb betreuter Studien übertragen lassen.

Beginnen Sie mit reibungsarmer Bewegung, die Sie bereits vertragen, bauen Sie eine einfache Routine vor und nach dem Training auf und sprechen Sie Ihre Aktivitätsziele beim nächsten Dermatologie-Termin an.

Diese Kurzfassung wird gemeinsam mit dem vollständigen Text erstellt und aktualisiert. Belege, Einschränkungen und Quellen stehen unverändert im Artikel darunter.

Weiter zur ausführlichen Erklärung

Irgendwo zwischen einem SchubSchub: Eine Phase akuter Verschlechterung bei einer chronischen Erkrankung. Bei Acne Inversa kann ein Schub durch Stress, Hormonschwankungen, Reibung oder andere Faktoren ausgelöst werden und sich durch neue Knoten, Abszesse oder verstärkte Schmerzen äußern., der ein einzelnes Training zur Qual gemacht hat, und dem allgemeinen Eindruck, „Schwitzen ist schlecht für HS“, hören viele Menschen mit Acne inversa (Hidradenitis suppurativa) still mit dem Sport auf — und sprechen dann auch mit niemandem mehr darüber, nicht einmal mit ihrer Dermatologiepraxis.

Das ist eine nachvollziehbare Reaktion. Nach dem, was inzwischen eine kleine, aber wachsende Zahl an Studien zeigt, ist sie aber vermutlich nicht die richtige.

Dieser Leitfaden fasst zusammen, was tatsächlich bekannt ist: warum Vermeidung verbreitet ist und was sie im Zeitverlauf kostet, welche konkreten Auslöser es wirklich gibt (präziser als „Sport ist schlecht“), was die frühe Forschung zu strukturierten Sportprogrammen bei HS-Patient:innen gefunden hat, und wie sich eine realistische Routine rund um die Erkrankung aufbauen lässt — statt rund um die Angst davor.

Nur zu Informationszwecken. Dieser Artikel beschreibt allgemeine Muster und Forschungsbefunde. Er ersetzt nicht die individuelle Einschätzung durch Ihre DermatologieDermatologie: Das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Hauterkrankungen befasst. Acne Inversa wird häufig von Dermatologinnen und Dermatologen behandelt, obwohl auch Chirurgie und andere Fachbereiche beteiligt sein können., Hausarztpraxis oder eine Physiotherapie zu Ihrer Krankheitsaktivität, Ihren Wunden oder Ihrer Beweglichkeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt keine belastbare Evidenz dafür, dass Sport selbst HS-Schübe verursacht. Konsistent berichtet werden Hitze, Schweiß und Reibung als Auslöser — und alle drei lassen sich managen.
  • Sport aus Angst zu meiden ist verbreitet, doch selbst milde HS ist mit eingeschränkter Beweglichkeit und Muskelschwäche im Zeitverlauf verbunden, wenn Aktivität vermieden wird.
  • Ein strukturiertes 12-wöchiges Widerstandsband- und Körpergewichtsprogramm bei HS-Patient:innen verbesserte funktionelle Kraft und Ausdauer, und Schübe während der Studienzeit wurden nicht dem Training zugeschrieben.
  • Reibungsarme Aktivitäten — Schwimmen, Yoga, Radfahren mit passender Ausrüstung, strukturiertes Krafttraining — lassen sich meist leichter durchhalten als kontakt- oder reibungsintensive Sportarten, abhängig von den betroffenen Körperregionen.
  • Eine kurze Routine vor, während und nach dem Training (Barriereprodukt, atmungsaktive Stoffe, zügiges Duschen) adressiert den eigentlichen Mechanismus des Schubrisikos direkter als der Verzicht auf Sport insgesamt.

Warum so viele Menschen mit HS mit dem Sport aufhören

Die Gründe sind konkret, nicht diffus. Eine Übersichtsarbeit von 2023 zu Sportempfehlungen bei HS-Patient:innen in Skin Appendage Disorders nennt drei konkrete Hürden, statt „Sport“ als ein einziges Problem zu behandeln:

  • Aktive, schmerzhafte Läsionen. Eitrige, nässende oder akut druckempfindliche KnotenKnoten: Eine feste, tastbare Verdickung tief im Gewebe. Knoten können schmerzhaft sein und sich zu Abszessen weiterentwickeln. Sie gehören zu den typischen frühen Zeichen von Acne Inversa. können bestimmte Bewegungen — Überkopfdrücken bei axillärer Beteiligung, tiefe Kniebeugen bei Leistenläsionen — tatsächlich unmöglich machen, nicht nur unangenehm.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit durch Vernarbung. Chronische HS, besonders mit Fistelgängen und dichtem Narbengewebe in Achseln oder Leiste, kann bestimmte Bewegungen im Zeitverlauf mechanisch einschränken — unabhängig davon, ob gerade eine Läsion aktiv ist.
  • Hitze, Schweiß und Reibung als Auslöser. Das sind die tatsächlichen Verschlechterungsfaktoren, nicht Belastung als Kategorie.

Kommen noch die ganz normale Verlegenheit wegen sichtbaren Ausflusses, Geruchssorgen oder das Umziehen in einer gemeinsam genutzten Umkleide dazu, wird Vermeidung zu einer sehr nachvollziehbaren Standardreaktion — auch wenn sie niemand ausdrücklich empfohlen hat.

Was Vermeidung tatsächlich kostet

Das ist der Teil, der in den meisten patientenorientierten Ratgebern übersprungen wird, und er verdient es, ernst genommen zu werden.

Klinische Beobachtungen in der Literatur zu Sport bei HS zeigen, dass selbst Patient:innen mit milder Erkrankung im Zeitverlauf messbare Bewegungseinschränkungen und Muskelschwäche entwickeln können — nicht weil HS direkt den Muskel schädigt, sondern durch den kumulativen Effekt, schmerzhafte oder vernarbte Bereiche zu schonen und nach und nach weniger zu tun. Forschende, die dazu schreiben, plädieren dafür, Bewegungs- und Kräftigungsübungen früh im Krankheitsverlauf zu verordnen, statt zu warten, bis die Funktion bereits sichtbar eingeschränkt ist.

Es gibt zudem einen zweiten Effekt. Der Verlust an Fitness wirkt zwei Faktoren entgegen, die unabhängig voneinander langfristig für HS relevant sind: kardiovaskuläre Gesundheit und Gewichtsmanagement, das seinen eigenen, gut dokumentierten Zusammenhang mit dem HS-Schweregrad hat (gesondert im Leitfaden zur Gewichtsreduktion behandelt). Sport zu meiden, um kurzfristige Beschwerden zu vermeiden, kann der langfristigen Krankheitslast entgegenwirken.

Das heißt nicht: durch Schmerz durchtrainieren. Es heißt, dass das reflexhafte „lieber nicht“ nach aktueller Evidenz auch nicht die sicherere Standardwahl ist.

Was frühe Forschung zu strukturierten Sportprogrammen zeigt

Die sportbezogene Forschung speziell zu HS ist noch ein junges Feld, hat sich aber von reiner Beobachtung zu Interventionsstudien weiterentwickelt.

Ein 12-wöchiges individualisiertes Kraftprogramm. Forschende an einem US-amerikanischen Zentrum für Hidradenitis suppurativa, berichtet von Medscape Medical News 2026, erfassten Kraft und Funktion bei fast 80 Patient:innen mit HS. Für Personen mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung entwickelten sie individualisierte Programme mit Widerstandsbändern und einfachen Körpergewichtsübungen, mit erneuter Erfassung nach 6 und 12 Wochen sowie telefonischen Check-ins dazwischen zur Anpassung. Berichtet wurden verbesserte funktionelle Kraft und Ausdauer im Programmverlauf, und Schübe, die Patient:innen während der Studienzeit erlebten, wurden nicht dem Sport selbst zugeschrieben.

Die beteiligten Forschenden verweisen zudem auf einen plausiblen biologischen Mechanismus, den es wert ist zu kennen, auch wenn er noch früh ist: Muskelkontraktion beim Krafttraining setzt Myokine frei — Signalmoleküle, die am Prozess der Muskelreparatur beteiligt sind, von denen manche entzündungshemmend wirken, sobald die anfängliche, lokale Entzündungsreaktion abklingt. Ob sich das in einer messbaren Wirkung auf die HS-Krankheitsaktivität niederschlägt, ist eine offene Forschungsfrage, kein etablierter Befund.

Eine eigens registrierte klinische Studie. Eine registrierte Studie (ClinicalTrials.gov NCT06015438) wurde gezielt konzipiert, um die realen Hürden für körperliche Aktivität bei HS-Patient:innen zu erfassen und ein strukturiertes, evidenzinformiertes Sportprogramm gegen diese Hürden zu testen — statt allgemeiner „Bleiben Sie aktiv“-Ratschläge. Eine solche eigens dafür angelegte Studie ist bemerkenswert: Sie zeigt, dass Sport bei HS von einer Randnotiz zu einer eigenständigen Forschungsfrage geworden ist.

Zusammengenommen reicht das noch nicht, um konkrete Trainingsumfänge zu verordnen oder zu behaupten, Sport behandle HS. Es reicht aber, um zu sagen: In diesen kleinen, betreuten Programmen wurden Schübe während der Studienzeit nicht dem Training zugeschrieben, und strukturierte Aktivität ist ein aktives, legitimes Forschungsfeld — kein Thema, von dem Patient:innen still fernzuhalten wären.

Die eigentlichen Auslöser: Hitze, Schweiß und Reibung — nicht die Belastung

Die praktische Neueinordnung, die sich aus der Forschung ergibt, ist einfach: Das Problem war nie Sport selbst. Es ist das, was bestimmte Formen von Sport oft begleitet.

Hitze. Erhöhte Hauttemperatur steigert die lokale Durchblutung und die Aktivität entzündlicher Zellen in bereits entzündetem Gewebe. Deshalb fühlt sich Training in einem heißen Raum oder bei einer Hitzewelle oft schlechter an als dieselbe Einheit bei kühlen Temperaturen — unabhängig von der Intensität.

Schweiß. In Hautfalten eingeschlossene Feuchtigkeit — Achseln, Leiste, Unterbrust, Innenschenkel — weicht die Haut auf, verändert das lokale Mikrobiom und schafft die Bedingungen für follikuläre Reizung. Der ausführliche Mechanismus wird im begleitenden Artikel zu Schweiß und Schubmanagement behandelt; er ist derselbe, ob der Schweiß von einem heißen Nachmittag oder einer Trainingseinheit stammt.

Reibung. Nasse Haut, die auf nasser Haut reibt, enge Nähte, einschnürende Bündchen und wiederholter Haut-auf-Haut- oder Haut-auf-Stoff-Kontakt sind ein gut dokumentierter Faktor bei der follikulären Verstopfung, mit der eine HS-Läsion beginnt. Hier spielen Sportwahl und Ausrüstung eine echte Rolle — ein Thema, das im begleitenden Leitfaden zur Sportwahl Region für Region behandelt wird.

Keiner dieser drei Faktoren ist Belastung. Alle drei lassen sich angehen, ohne auf Aktivität zu verzichten.

Eine Routine aufbauen, die mit der Erkrankung funktioniert

Die Maßnahmen mit dem konsistentesten Rückhalt in Ratgebern zum Alltag mit HS sind unspektakulär und alltäglich.

Vor dem Training

  • Tragen Sie ein Barriereprodukt (Anti-Reibungsbalsam oder -stick) auf reibungsintensive Bereiche auf — Achseln, Innenschenkel, Leiste, BH-Linie — bevor Sie aktiv werden, so wie es Ausdauersportler:innen generell gegen Wundscheuern tun.
  • Wählen Sie atmungsaktive, feuchtigkeitsableitende Stoffe ohne auffällige Nähte für die von HS betroffenen Bereiche. Lockere Naturfasern eignen sich für Aktivität mit geringerer Intensität; technische, feuchtigkeitsableitende Stoffe leisten bei stärkerem Schwitzen mehr.
  • Tragen Sie am Vorabend eines intensiven Trainingstags Antitranspirant auf unbetroffene Achselhaut auf, wenn Schweiß bei Ihnen ein bekannter Auslöser ist — mehr dazu im Leitfaden zum Schweißmanagement.

Während des Trainings

  • Wechseln Sie bei längeren Einheiten in einer natürlichen Pause aus einer durchgeschwitzten Schicht, statt feuchten Stoff stundenlang an der Haut zu tragen.
  • Bevorzugen Sie reibungsärmere Bewegungsmuster während einer Einheit, wenn ein bestimmter Bereich gerade empfindlich ist, ohne die gesamte Einheit zwangsläufig abzubrechen.
  • Halten Sie aktiv nässende Läsionen während der Aktivität mit einem sauberen, sicher sitzenden Verband abgedeckt, besonders an gemeinsam genutzten Geräten.

Nach dem Training

  • Duschen Sie zügig statt zu verzögern — lauwarmes Wasser, sanfte Reinigung, gründliches Abtrocknen der Hautfalten. Ein reines Abspülen reicht, wenn eine vollständige Wäsche nicht sofort möglich ist.
  • Ziehen Sie trockene, lockere Kleidung an, statt in der Trainingskleidung sitzen zu bleiben.
  • Tragen Sie ein Barriereprodukt erneut auf, wenn Sie danach noch länger warmen Bedingungen ausgesetzt sind (Pendeln, ein heißes Auto, weitere Aktivität).

Das ist im Kern dieselbe Routine, die — in leicht anderen Worten — bei HS-Patientenorganisationen, in der dermatologischen Patientenaufklärung und in sportdermatologischen Ratgebern auftaucht. Sie ist bewusst unspektakulär: Das Ziel ist, den tatsächlichen Reizmechanismus zu beseitigen, nicht einen cleveren Umweg um den Sport selbst zu finden.

Aktivität an die Erkrankung anpassen, nicht umgekehrt

Zwei Variablen sind wichtiger als die Frage, welche Sportart abstrakt „richtig“ ist: welche Körperregionen Ihre HS betrifft, und wo Sie gerade im Krankheitsverlauf stehen.

Nach Körperregion. Axilläre Erkrankung verträgt sich schlecht mit Überkopfdrücken, eng anliegenden Trägersystemen und Schlägersportarten; Leisten- und Inguinalbeteiligung verträgt sich schlecht mit Fahrradsätteln, Laufshorts und Ringsportarten; Erkrankung unter der Brust verträgt sich schlecht mit Bügel-BHs und Kompressions-Sport-BHs. Das ist konkret genug, um einen eigenen ausführlichen Leitfaden zu verdienen — siehe den begleitenden Artikel zur Sportwahl nach betroffener Körperregion für eine praktische Übersicht.

Nach Krankheitsstadium. Während eines Schubs ist es meist nachhaltiger, zu reduzieren statt ganz aufzuhören: geringere Intensität, weniger Reibung, kürzere Einheiten, und Rückkehr zur gewohnten Routine, sobald sich die Lage beruhigt. In RemissionRemission: Eine Phase, in der die Krankheitsaktivität deutlich zurückgeht oder vorübergehend nicht spürbar ist. Bei Acne Inversa ist eine vollständige Heilung selten; Remissionen sind jedoch möglich und ein wichtiges Therapieziel. oder bei gut kontrollierter Erkrankung gibt es in der Regel keinen Grund, Aktivität über die üblichen Vorsichtsmaßnahmen bei Sportverletzungen hinaus einzuschränken.

Nach einer Operation. DeroofingDeroofing: Ein chirurgisches Verfahren, bei dem die Decke eines Abszesses oder Fistelgangs entfernt wird, sodass der Grund der Wunde offenliegt und von innen abheilen kann. Es ist weniger invasiv als eine weite Exzision und kann ambulant durchgeführt werden. oder ExzisionWeite Exzision: Ein chirurgischer Eingriff, bei dem betroffene Hautareale einschließlich eines Sicherheitsabstands vollständig entfernt werden. Die weite Exzision ist die wirksamste chirurgische Methode bei fortgeschrittener Acne Inversa, erfordert jedoch eine längere Heilungszeit. verändern die Ausgangslage erheblich und haben einen eigenen realistischen Zeitplan für die Rückkehr zum Training — gesondert behandelt im Leitfaden zur Rückkehr zum Sport nach HS-Operationen.

Wann das Behandlungsteam einbezogen werden sollte

Einige Situationen sind es wert, direkt mit Dermatologie, Hausarztpraxis oder Physiotherapie besprochen zu werden, statt allein weiterzumachen:

  • Narbengewebe oder eine verheilte Stelle schränkt ein Bewegungsmuster (Schulterabduktion, Hüftbeugung) unabhängig von aktiver Krankheitsaktivität mechanisch ein.
  • Sie erholen sich von einer kürzlichen Operation und sind unsicher, wann bestimmte Aktivitäten wieder sicher sind.
  • Schmerz bei einer bestimmten Übung ist stechend, lokal begrenzt und reproduzierbar statt allgemein unangenehm.
  • Sie wünschen sich ein strukturiertes, individualisiertes Programm (ähnlich den Widerstandsband-Studien oben) statt allgemeiner Ratschläge — das ist eine sinnvolle Überweisungsanfrage, und es gibt Physiotherapeut:innen mit Erfahrung in chronischer Hauterkrankung oder postoperativer Rehabilitation genau für diesen Zweck.

Fazit

Der Impuls, nach einem quälenden Training mit dem Sport aufzuhören, ist nachvollziehbar, aber nach aktueller Evidenz nicht die sicherere Wahl. Belastung selbst hat sich nicht als Schubtreiber erwiesen; Hitze, Schweiß und Reibung dagegen schon — und alle drei lassen sich mit unspektakulären, alltäglichen Maßnahmen managen. Frühe strukturierte Sportprogramme bei HS-Patient:innen berichteten über verbesserte Kraft und Funktion, ohne dass Schübe dem Training zugeschrieben wurden, und klinische Forschung untersucht Sport inzwischen aktiv als legitime Intervention, statt ihn als Randthema zu behandeln.

Beginnen Sie mit dem, was Sie aktuell vertragen, bauen Sie die Routine vor und nach dem Training darum auf, und wählen Sie Aktivitäten, die zu den von Ihrer HS betroffenen Regionen passen — der begleitende Leitfaden zur Sportwahl nach Körperregion behandelt diesen Teil praktisch im Detail.

In diesem Artikel erklärte Begriffe

Kurzdefinitionen der wichtigsten Fachbegriffe. Zum vollständigen Eintrag im Glossar geht es über den jeweiligen Begriff.

Schub
Eine Phase akuter Verschlechterung bei einer chronischen Erkrankung. Bei Acne Inversa kann ein Schub durch Stress, Hormonschwankungen, Reibung oder andere Faktoren ausgelöst werden und sich durch neue Knoten, Abszesse oder verstärkte Schmerzen äußern.
Dermatologie
Das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Hauterkrankungen befasst. Acne Inversa wird häufig von Dermatologinnen und Dermatologen behandelt, obwohl auch Chirurgie und andere Fachbereiche beteiligt sein können.
Knoten
Eine feste, tastbare Verdickung tief im Gewebe. Knoten können schmerzhaft sein und sich zu Abszessen weiterentwickeln. Sie gehören zu den typischen frühen Zeichen von Acne Inversa.
Remission
Eine Phase, in der die Krankheitsaktivität deutlich zurückgeht oder vorübergehend nicht spürbar ist. Bei Acne Inversa ist eine vollständige Heilung selten; Remissionen sind jedoch möglich und ein wichtiges Therapieziel.
Deroofing
Ein chirurgisches Verfahren, bei dem die Decke eines Abszesses oder Fistelgangs entfernt wird, sodass der Grund der Wunde offenliegt und von innen abheilen kann. Es ist weniger invasiv als eine weite Exzision und kann ambulant durchgeführt werden.
Weite Exzision
Ein chirurgischer Eingriff, bei dem betroffene Hautareale einschließlich eines Sicherheitsabstands vollständig entfernt werden. Die weite Exzision ist die wirksamste chirurgische Methode bei fortgeschrittener Acne Inversa, erfordert jedoch eine längere Heilungszeit.

Häufige Fragen

Verursacht Sport HS-Schübe?

Es gibt keine belastbare Evidenz dafür, dass körperliche Belastung selbst Schübe auslöst. Konsistent berichtet werden dagegen Hitze, Schweiß und Reibung durch bestimmte Bewegungen und Kleidung als Verschlechterungsfaktoren — und diese lassen sich managen, statt ein Grund zu sein, Aktivität grundsätzlich zu meiden. Eine Übersichtsarbeit von 2023 zu Sportempfehlungen bei HS beschreibt das Problem genauso: Die Hürden sind schmerzhafte aktive Läsionen, eingeschränkte Beweglichkeit durch Narbengewebe sowie Schweiß-, Reibungs- und Hitzeexposition — nicht Sport als Kategorie.

Ist Sport während eines aktiven Schubs sicher?

Das hängt davon ab, was gerade aufflammt und wie. Schmerzhafte, nässende oder sehr druckempfindliche Läsionen können bestimmte Bewegungen tatsächlich unmöglich machen, und sich durch stechenden Schmerz an einer aktiven Stelle hindurchzuquälen, ist nicht ratsam. Viele reduzieren während eines Schubs eher, als ganz aufzuhören — mit reibungsärmerer, weniger intensiver Bewegung (Spazierengehen, sanfte Mobilisation, Schwimmen, sofern Wunden es zulassen) und kehren zum gewohnten Training zurück, sobald sich der Schub beruhigt. Es gibt keine feste Regel; es ist eine tagesabhängige Einschätzung anhand von Schmerz und Lokalisation.

Welche Sportarten werden bei HS grundsätzlich als leichter verträglich beschrieben?

Patientenratgeber und klinische Quellen verweisen übereinstimmend auf reibungsarme Formen — Schwimmen, Yoga, Radfahren mit passendem Sattel und Hose sowie strukturiertes Krafttraining mit Aufmerksamkeit für Griff und Kleidung — als für viele nachhaltiger als reibungs- und kontaktintensive Sportarten. Das hängt jedoch davon ab, welche Körperregionen betroffen sind; dazu mehr im begleitenden Leitfaden zur Sportwahl nach Körperregion.

Hilft Krafttraining bei HS gezielt, oder ist das nur allgemeiner Fitness-Rat?

Über den allgemeinen Gesundheitsnutzen hinaus wird Krafttraining inzwischen gezielt als HS-Intervention untersucht. Ein laufendes individualisiertes Widerstandsband- und Körpergewichtsprogramm an einem US-amerikanischen HS-Zentrum erfasste Patient:innen mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung zu Beginn sowie nach 6 und 12 Wochen erneut, mit telefonischen Check-ins zur Anpassung. Berichtet wurden verbesserte funktionelle Kraft und Ausdauer, und Schübe während der Studienzeit wurden nicht dem Training zugeschrieben. Die beteiligten Forschenden verweisen zudem auf einen plausiblen, aber frühen biologischen Mechanismus: Muskelkontraktion beim Krafttraining setzt Myokine frei — Signalmoleküle im Rahmen der Muskelreparatur —, von denen manche entzündungshemmend wirken, sobald die anfängliche, lokale Entzündungsreaktion abklingt. Ob sich das in einer messbaren Wirkung auf die HS-Krankheitsaktivität niederschlägt, ist eine offene Forschungsfrage, kein etablierter Befund.

Sollte ich wegen gemeinsam genutzter Geräte und Umkleiden auf das Fitnessstudio verzichten?

Allein wegen des Infektionsrisikos nicht, sofern Sie übliche Hygienemaßnahmen einhalten: Geräte vor und nach der Nutzung abwischen, nässende Läsionen während des Trainings mit einem sauberen Verband abdecken, direkten Hautkontakt mit gemeinsam genutzten Matten oder Bänken wo praktikabel vermeiden und danach zügig duschen. Bei stark nässenden Wunden oder kurz nach einer Operation sollten Sie das Timing mit Ihrem Behandlungsteam besprechen statt sich auf allgemeine Beruhigung zu verlassen.

Ich habe tiefe Vernarbungen oder eingeschränkte Beweglichkeit durch HS. Kann ich trotzdem trainieren?

Oft ja, mit Anpassung. Chronische Vernarbung, insbesondere in den Achseln oder der Leiste, kann die Beweglichkeit für bestimmte Übungen tatsächlich einschränken. Eine Physiotherapie mit Erfahrung in HS oder postoperativer Rehabilitation kann helfen, einzelne Bewegungen anzupassen, Kraft rund um ein eingeschränktes Gelenk aufzubauen und eine realistische Steigerung zu planen — eine sinnvolle Überweisung, die Sie bei Ihrer Dermatologie oder Hausarztpraxis ansprechen können, statt es allein herauszufinden.

Macht der Fitnessverlust durch Sportvermeidung bei HS wirklich einen Unterschied?

Es spricht einiges dafür. Klinische Beobachtungen in der Literatur zu Sportempfehlungen bei HS beschreiben, dass selbst bei milder HS im Zeitverlauf eingeschränkte Beweglichkeit und Muskelschwäche auftreten können, und Forschende plädieren dafür, Bewegungs- und Kräftigungsübungen frühzeitig zu verordnen, statt zu warten, bis die Funktion bereits eingeschränkt ist. Der Verlust an Fitness wirkt zudem zwei Faktoren entgegen, die langfristig für HS relevant sind: kardiovaskuläre Gesundheit und Gewichtsmanagement.

Quellen

  1. Long V, Tham SL, Choi EC, Chandran NS. Exercise Recommendations for Hidradenitis Suppurativa Patients. Skin Appendage Disorders, 2023;9(5):392–396
  2. Physical Activity in Hidradenitis Suppurativa (HS) — Studienprotokoll zur Erfassung von Bewegungshürden und Testung eines strukturierten Aktivitätsprogramms. ClinicalTrials.gov, NCT06015438
  3. Individualisiertes Widerstandsband- und Körpergewichts-Krafttrainingsprogramm für Patient:innen mit mittelschwerer bis schwerer HS, erfasst zu Beginn sowie nach 6 und 12 Wochen (University of Miami Health System, Miami HS Center). Berichtet in Medscape Medical News, April 2026
  4. Zouboulis CC et al. European S2k guideline on the treatment of hidradenitis suppurativa / acne inversa.
  5. Constantinou CA et al. Hyperhidrosis in patients with hidradenitis suppurativa: prevalence and management. British Journal of Dermatology