Bis zur Diagnose einer Hidradenitis suppurativa (HS) vergehen durchschnittlich 7 bis 10 Jahre, was die Früherkennung zu einer der dringendsten Aufgaben der Patientenaufklärung in der DermatologieDermatologie: Das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Hauterkrankungen befasst. Acne Inversa wird häufig von Dermatologinnen und Dermatologen behandelt, obwohl auch Chirurgie und andere Fachbereiche beteiligt sein können. macht. Diese chronisch-entzündliche Hauterkrankung betrifft etwa 1 von 300 Menschen und führt zu schmerzhaften, tief sitzenden KnotenKnoten: Eine feste, tastbare Verdickung tief im Gewebe. Knoten können schmerzhaft sein und sich zu Abszessen weiterentwickeln. Sie gehören zu den typischen frühen Zeichen von Acne Inversa. und Abszessen in den Achselhöhlen, der Leistengegend und unter den Brüsten – also in Bereichen, in denen sie routinemäßig als gewöhnliche FurunkelFurunkel ("Beule"): Umgangssprachlicher Begriff für einen Entzündungsknoten oder Abszess bei Acne Inversa. Wichtiger Unterschied: Ein gewöhnlicher Furunkel ist eine einmalige bakterielle Haarfollikelinfektion. Die wiederkehrenden, multiplen "Beulen" bei HS sind nicht dasselbe – ihre Verwechslung mit einfachen Furunkeln ist ein Hauptgrund für die jahrelange Diagnoseverzögerung., eingewachsene Haare oder Follikulitis fehldiagnostiziert wird. Da inzwischen drei BiologikaBiologikum: Eine Klasse von Medikamenten, die aus lebenden Zellen gewonnen werden und gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen. Bei Acne Inversa werden Biologika wie Adalimumab und Secukinumab eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.-Therapien zugelassen sind und ein frühes Eingreifen irreversible Gewebeschäden verhindern kann, war die klinische Bedeutung einer frühzeitigen HS-Erkennung nie größer. Hier ist, was die aktuelle medizinische Evidenz darüber sagt, wie HS beginnt, wie sie aussieht und wie sie von Erkrankungen unterschieden werden kann, denen sie ähnelt.
Wie die frühesten Anzeichen einer HS tatsächlich aussehen und sich anfühlen
HS kündigt sich nicht ohne Vorwarnung an. Studien zeigen, dass bis zu 83 % der Patienten 12 bis 48 Stunden vor dem Erscheinen einer sichtbaren Läsion eine Prodromalphase erleben, die durch lokalisierte Hautrötung (75 % der Patienten), Kribbeln oder Brennen (63 %), JuckreizPruritus (Juckreiz): Juckreiz. Bei Acne Inversa oft übersehen, weil der Schmerz im Vordergrund steht, aber eine bedeutende Minderheit der Betroffenen nennt Juckreiz als belastendste Beschwerde, besonders in der Abheilungsphase von Läsionen. (20 %), Wärmegefühl und manchmal übermäßiges Schwitzen an der betroffenen Stelle gekennzeichnet ist. Einige Patienten berichten auch über systemische Symptome wie Müdigkeit (32 %) und ein allgemeines Krankheitsgefühl (23 %). Diese Prodromalsignale sind zwar für sich genommen unspezifisch, gewinnen jedoch diagnostische Bedeutung, wenn sie wiederholt Läsionen an denselben Hautfaltenstellen vorausgehen. Juckreiz lohnt einen eigenen Blick – er tritt auch während Schüben, bei der Heilung und an Narben auf, nicht nur vorab; siehe Acne inversa und Juckreiz für das vollständige Bild.
Das erste sichtbare Zeichen ist typischerweise ein einzelner, tief sitzender, fester Knoten von etwa Erbsengröße – zwischen 0,5 und 2 Zentimetern Durchmesser – in einem intertriginösen Bereich (wo Haut auf Haut reibt). Anders als ein oberflächlicher Pickel oder eine Follikulitis-PustelPustel: Ein mit Eiter gefülltes Bläschen an der Hautoberfläche. Kleiner und oberflächlicher als ein Abszess. sitzt der HS-Knoten tief im Unterhautgewebe. Er bildet keinen zentralen weißen „Kopf”, spitzt sich nicht zur Oberfläche zu und ist nicht auf einen sichtbaren HaarfollikelHaarfollikel: Die röhrenförmige Struktur in der Haut, aus der ein Haar wächst. Bei Acne Inversa wird der Follikel verstopft und reißt schließlich ein, wodurch Zelltrümmer, Bakterien und Talgbestandteile ins umliegende Gewebe gelangen und die Entzündungskaskade der Erkrankung auslösen. zentriert. Patienten bewerten den Schmerz auf einer numerischen Skala zwischen 4 und 10 von 10. Einzelne Knoten bestehen im Durchschnitt etwa 7 bis 15 Tage, und Patienten entwickeln typischerweise ein bis zwei neue entzündliche Läsionen pro Monat. Eine ausführlichere Darstellung dieser ersten Veränderungen finden Sie in unserem Beitrag zu frühen Symptomen der Acne Inversa.
Im Verlauf können einzelne Knoten spontan rupturieren – mit serös-blutigem oder eitrigem, teils übelriechendem Sekret – und dann unter Fibrosierung teilweise abheilen, bevor sie in einem benachbarten Bereich erneut auftreten. Dieser Zyklus aus Knotenbildung, Ruptur und fibrotischer Abheilung ist „hoch diagnostisch” für HS und unterscheidet sie von einmaligen Furunkeln. In diesem frühen Stadium hat die Erkrankung noch keine FistelgängeFistelgang: Ein tunnelartiger Kanal unter der Haut, der sich zwischen Abszessen oder Knoten bildet. Fisteln sind ein Zeichen für eine fortgeschrittene Erkrankung und können chronisch Sekret absondern. Sie werden dem Hurley-Stadium II und III zugeordnet. (subkutane Tunnel) oder dauerhafte Narben gebildet, was sie als Hurley-StadiumHurley-Stadium: Ein klinisches Einteilungssystem zur Beurteilung des Schweregrads von Acne Inversa in drei Stufen: Stadium I (einzelne Abszesse ohne Fisteln), Stadium II (wiederkehrende Abszesse mit einzelnen Fisteln), Stadium III (ausgedehnte Fisteln und Narben über eine gesamte Region). Benannt nach Dr. Helen Hurley. I definiert – die mildeste und am besten behandelbare Form. Mehr zu dieser Phase lesen Sie unter Acne Inversa im Anfangsstadium.
Wie sich HS in Achselhöhlen, Leistengegend und unter den Brüsten unterschiedlich präsentiert
Die drei klinisch wichtigsten HS-Lokalisationen verhalten sich nicht identisch. Ihre Unterschiede zu verstehen, ist sowohl für die Diagnose als auch für die Selbstbeobachtung der Patienten wichtig.
Die Axillen (Achselhöhlen) sind die mit Abstand häufigste HS-Lokalisation und oft die zuerst betroffene Stelle. Frühe axilläre HS zeigt sich als tiefe, runde Knoten, denen charakteristischerweise die zentrale Nekrose oder „Spitzenbildung” staphylokokkenbedingter Furunkel fehlt – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Der Befall ist häufig beidseitig, was die systemisch-entzündliche Natur der Erkrankung widerspiegelt. Offene Doppelkomedonen (paarweise MitesserKomedo: Ein verstopfter Haarfollikel. Offene Komedonen sind Mitesser (Blackheads); geschlossene Komedonen sind Whiteheads., die durch einen subkutanen Gang verbunden sind), die als pathognomonisch für HS gelten, sind an dieser Stelle am besten sichtbar. Bei unbehandeltem Fortschreiten kann die axilläre Vernarbung fibrotische Kontrakturen verursachen, die die Armbewegung einschränken. Etwa 43 % der HS-Operationen betreffen axilläre Lokalisationen.
Die Inguinalregion (Leistengegend) ist die zweithäufigste Lokalisation und bei Frauen oft eine der zuerst betroffenen Stellen, mit Ausdehnung entlang der Innenseite der Oberschenkel und der genitofemoralen Falten. Bei Männern dehnt sich die inguinale HS häufiger in den Damm- und Perianalbereich aus. Inguinale HS birgt ein besonders hohes Fehldiagnoserisiko – sie kann mit sexuell übertragbaren Infektionen, vergrößerten Lymphknoten, Bartholin-Zysten bei Frauen oder sogar Morbus Crohn bei perianaler Ausdehnung verwechselt werden (Morbus Crohn liegt in einigen Studien bei bis zu 39 % der perianalen HS-Fälle gleichzeitig vor). Ein beidseitiger Leistenbefall spricht – wie bei axillärer Erkrankung – stark für HS und gegen einen isolierten infektiösen Prozess.
Die inframammäre Falte (unter den Brüsten) ist früh im Krankheitsverlauf seltener betroffen und nahezu ausschließlich bei Frauen. Die American Academy of Dermatology weist darauf hin, dass HS „dazu neigt, in Bereichen mit dichtem, grobem Haar wie Achselhöhlen und Leiste zu beginnen” und dass ein Brustbefall typischerweise im weiteren Verlauf auftritt. Inframammäre HS zeigt sich als entzündliche Knoten und AbszesseAbszess: Eine entzündete, mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllte Höhle bzw. Schwellung. Bei Acne Inversa können Abszesse als Teil des entzündlichen Krankheitsprozesses entstehen und bedeuten nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt. Eine zusätzliche bakterielle Infektion kann auftreten und muss gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden. Abszesse treten bei Acne Inversa vor allem in Achselhöhlen, Leisten und anderen Körperfalten auf. in der Brustfalte, manchmal mit Ausdehnung in periareoläre Bereiche, und ist mit dem „axillär-mammären Phänotyp” assoziiert – dem klassischen HS-Muster bei Frauen. Diese Lokalisation birgt eine besondere diagnostische Gefahr: Inframammäre und periareoläre HS kann als granulomatöse Mastitis, Brustabszess oder sogar als entzündliches Mammakarzinom fehldiagnostiziert werden und manchmal eine unnötige onkologische Abklärung auslösen.
HS von ähnlich erscheinenden Erkrankungen unterscheiden
Die Erkrankungen, die am häufigsten mit einer frühen HS verwechselt werden, weisen oberflächliche Ähnlichkeiten auf, unterscheiden sich jedoch in wichtigen, erkennbaren Aspekten. Ein ausführlicher Vergleich – insbesondere zur klassischen Akne – findet sich im Beitrag Hidradenitis suppurativa vs. Acne vulgaris.
Gewöhnliche Furunkel werden durch Staphylococcus aureus-Infektionen verursacht und bilden sich um einen sichtbaren Haarfollikel, entwickeln einen zentralen Pustelkopf und sprechen in der Regel auf Antibiotika oder Inzision und DrainageInzision und Drainage (I&D): Ein kleiner Schnitt zur Entleerung eines akuten, fluktuierenden Abszesses. Bietet schnelle Schmerzlinderung, verhindert jedoch keine Rezidive bei Acne Inversa – der Abszess kommt fast immer an derselben Stelle wieder. Darf nicht als definitive HS-Behandlung betrachtet werden. an. HS-Knoten sind tiefer, haben keine zentrale Nekrose, ergeben sterile oder mischflora-positive Kulturen statt Staphylokokken-Monokulturen und bringen unter Antibiotika nur vorübergehende Linderung. Der entscheidendste Unterschied ist das Rezidivmuster: Furunkel sind typischerweise isolierte Ereignisse, während HS-Läsionen über Monate bis Jahre wiederholt in derselben anatomischen Zone auftreten.
Follikulitis zeigt sich als kleine, oberflächliche rote Papeln oder Pusteln (meist unter 0,5 cm), die um einzelne Haarfollikel zentriert sind. Sie kann überall am Körper auftreten, heilt mit topischer Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab und vernarbt selten. HS-Knoten sind deutlich größer (0,5–2 cm), viel tiefer, auf intertriginöse Bereiche beschränkt, bestehen wochenlang und vernarben fortschreitend. Follikulitis erzeugt nicht die für HS charakteristischen Komedonen, Fistelgänge oder hypertrophen Narben.
Eingewachsene Haare verursachen oberflächliche Papeln mit einem sichtbar eingeschlossenen Haar, stehen in direktem Zusammenhang mit Rasur oder Haarentfernung und heilen ab, sobald das Haar befreit ist. HS tritt unabhängig von Haarentfernungspraktiken auf und bessert sich nicht, wenn die Rasur eingestellt wird – ein einfaches, aber starkes Unterscheidungsmerkmal.
Epidermalzysten sind gutartige, keratingefüllte Säcke, die überall am Körper auftreten können. Sie sind typischerweise solitär, entleeren dickflüssiges weißes Material und können kurativ exzidiert werden. HS-Läsionen sind multipel, beidseitig, spezifisch in Hautfalten lokalisiert, entleeren serös-blutiges oder übelriechendes Material und bilden miteinander verbundene Gänge – Merkmale, die Zysten typischerweise nicht aufweisen.
Pilzinfektionen (Tinea) in Leiste oder Hautfalten erzeugen flache, schuppige, ringförmige Flecken mit zentraler Abblassung. Sie jucken eher, als dass sie tiefe Schmerzen verursachen, sind oberflächlich und heilen unter antimykotischer Behandlung vollständig ab. Die tiefe, schmerzhafte, knotige Morphologie der HS unterscheidet sich grundlegend von der flachen Schuppung einer Dermatophyteninfektion.
Eine diagnostische Verzögerung von 7 bis 10 Jahren, die sich nicht verbessert hat
Die ernüchterndste Statistik in der HS-Forschung ist die diagnostische VerzögerungDiagnostische Verzögerung: Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten der Symptome und einer korrekten HS-Diagnose. In internationalen Studien wiederholt mit etwa 7 bis 10 Jahren gemessen. Die Verringerung dieser Verzögerung ist eines der wichtigsten Ziele der HS-Patientenadvocacy. von 7 bis 10 Jahren, die in mehreren Ländern und Studiendesigns konsistent dokumentiert ist, ohne dass sich in den letzten Jahrzehnten eine messbare Verbesserung gezeigt hätte. Die PIRANHA-Studie (Deutschland, n=394) ergab eine durchschnittliche Verzögerung von 10,0 ± 9,6 Jahren, in denen Patienten mehr als drei verschiedene Ärzte konsultierten und mehr als drei Fehldiagnosen erhielten. Eine portugiesische Studie aus dem Jahr 2024 bestätigte eine mittlere Verzögerung von 10,1 Jahren ohne erkennbaren Trend zur Verbesserung. Eine 2024 veröffentlichte griechische systematische Übersichtsarbeit ergab eine mittlere Verzögerung von 6,5 Jahren und 3,2 Arztkonsultationen vor der Diagnose. Nur 28 % der Patienten erhalten bei ihrer ersten Konsultation eine korrekte Diagnose.
Jedes zusätzliche Jahr diagnostischer Verzögerung erhöht laut Daten des UNITE-Registers das Risiko einer Progression zu Hurley-Stadium II oder III um etwa 6 %. Diese Progression umfasst die Entwicklung von Fistelgängen (subkutanen Tunneln), chronisch sezernierenden Wunden und behindernden fibrotischen Narben – Schäden, die selbst mit optimaler Behandlung irreversibel sind. Die häufigsten Fehldiagnosen vor der korrekten HS-Identifizierung sind rezidivierende Hautabszesse (53 % der Fälle), Follikulitis, infizierte Zysten und in der Leistengegend sexuell übertragbare Infektionen. Mangelnde Vertrautheit der Ärzte mit HS, Scham der Patienten über Läsionen in intimen Bereichen sowie Behandlungsansätze, die sich auf das Drainieren einzelner Abszesse konzentrieren, ohne das wiederkehrende Muster zu erkennen, tragen alle zur Verzögerung bei.
Eine Studie mit maschinellem Lernen aus dem Jahr 2024 ergab, dass unter Patienten, die in den Krankenakten als an Zellulitis erkrankt kodiert waren, in einigen Ballungsräumen bis zu 50 % eine unterdiagnostizierte HS aufweisen können, und bis zu 13 % unter denen, die als Abszesse kodiert waren.
Hurley-Stadium I stellt ein kritisches Behandlungsfenster dar
Das Hurley-Stadiensystem klassifiziert den Schweregrad der HS pro anatomischer Region. Hurley-Stadium I – definiert als Abszessbildung ohne Fistelgänge und ohne Vernarbung – beschreibt etwa 55 bis 70 % aller HS-Patienten, und die meisten dieser Patienten gehen nie darüber hinaus. Stadium-I-HS besteht aus isolierten oder wenigen schmerzhaften Knoten und Abszessen, die in typischen Lokalisationen wiederkehren, aber noch nicht die subkutanen Tunnel oder strangartigen fibrotischen Narben fortgeschrittener Erkrankungen gebildet haben.
Dieses frühe Stadium stellt das dar, was Forscher zunehmend als „Window of Opportunity” bezeichnen. Eine Publikation aus dem Jahr 2025 in Dermatologic Therapy beschrieb einen Paradigmenwechsel hin zur frühen biologischen Intervention, bevor irreversible Gewebeschäden auftreten. Drei Biologika-Therapien sind inzwischen zugelassen – AdalimumabAdalimumab: Ein Biologikum aus der Gruppe der TNF-α-Inhibitoren, das als erstes Medikament offiziell für die Behandlung mittelschwerer bis schwerer Acne Inversa zugelassen wurde. Es wird unter den Handelsnamen Humira® und als Biosimilars vertrieben. (2015), Secukinumab (2023) und Bimekizumab (2024) – und Erkrankungen im Stadium I sprechen am günstigsten auf medikamentöse Behandlung an. Ultraschallbildgebungsstudien haben jedoch gezeigt, dass selbst klinisch offenkundige Stadium-I-Erkrankungen subklinische Tunnel und dermale Entzündungen beherbergen können, die mit bloßem Auge unsichtbar sind, was bedeutet, dass die tatsächliche Krankheitslast durch Oberflächenuntersuchung allein unterschätzt werden kann.
Die europäischen S2k-Leitlinien 2024–2025 führten ein neues duales Klassifikationssystem ein, das HS in eine aktiv-entzündliche Form (bewertet mit der IHS4-Skala) und eine überwiegend nicht-entzündliche Form (klassifiziert nach Hurley) unterteilt. Dieser Rahmen erkennt an, dass HS unterschiedliche Phasen aufweist, die unterschiedliche therapeutische Strategien erfordern, und unterstützt eine frühere Intervention während der entzündlichen Phase, bevor strukturelle Schäden akkumulieren.
Zehn Warnsignale, dass „wiederkehrende Furunkel” eine HS sein könnten
Klinische Leitlinien und Expertenkonsens identifizieren ein klares Muster von Warnzeichen. Dies sind die Merkmale, die zusammen genommen zu einer Untersuchung durch einen Dermatologen führen sollten:
- Wiederauftreten in derselben anatomischen Zone – das wichtigste einzelne Warnzeichen. HS-Läsionen kehren über Monate und Jahre wiederholt in dieselben intertriginösen Bereiche zurück; gewöhnliche Furunkel tun das in der Regel nicht.
- Lokalisation in Hautfalten – Achselhöhlen, Leiste, Innenseite der Oberschenkel, unter den Brüsten, Gesäß und Damm. Diese Verteilung ist charakteristisch für HS.
- Beidseitiger oder symmetrischer Befall – HS betrifft oft beide Achselhöhlen oder beide Seiten der Leiste gleichzeitig.
- Kein dauerhaftes Abklingen unter Antibiotika – vorübergehende Besserung gefolgt von Rückfall spricht stark für HS.
- Doppelkomedonen (paarige Mitesser) – ein pathognomonischer Befund, der einzigartig für HS ist.
Weitere Warnzeichen umfassen den gleichzeitigen Befall mehrerer intertriginöser Bereiche, Beginn nach der Pubertät (typischerweise im Alter von 18–30 Jahren), prodromales Brennen oder Kribbeln vor dem Auftreten von Läsionen, übelriechendes Sekret und fortschreitende Vernarbung zwischen Schüben. Eine Familienanamnese ähnlicher Läsionen liegt bei etwa 33 % der Patienten vor und erhöht den klinischen Verdacht. Die modifizierten Dessauer Diagnosekriterien – typische Läsionen, an typischen Stellen, mindestens zweimal innerhalb von sechs Monaten wiederkehrend – erreichen laut der deutschen S2k-Leitlinie eine diagnostische Genauigkeit von 97 % bei der Identifizierung von HS.
Die Dermatologin Vivian Shi von der University of Arkansas hat ein praktisches Drei-Fragen-Screening-Instrument für die Hausarztpraxis vorgeschlagen:
- Haben Sie schmerzhafte Knoten, Abszesse oder nässende Wunden?
- Befinden sie sich in den Achselhöhlen, in der Leiste, unter den Brüsten oder am Gesäß?
In diesem Artikel erklärte Begriffe
Kurzdefinitionen der wichtigsten Fachbegriffe. Zum vollständigen Eintrag im Glossar geht es über den jeweiligen Begriff.
- Dermatologie
- Das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Hauterkrankungen befasst. Acne Inversa wird häufig von Dermatologinnen und Dermatologen behandelt, obwohl auch Chirurgie und andere Fachbereiche beteiligt sein können.
- Knoten
- Eine feste, tastbare Verdickung tief im Gewebe. Knoten können schmerzhaft sein und sich zu Abszessen weiterentwickeln. Sie gehören zu den typischen frühen Zeichen von Acne Inversa.
- Furunkel ("Beule")
- Umgangssprachlicher Begriff für einen Entzündungsknoten oder Abszess bei Acne Inversa. Wichtiger Unterschied: Ein gewöhnlicher Furunkel ist eine einmalige bakterielle Haarfollikelinfektion. Die wiederkehrenden, multiplen "Beulen" bei HS sind nicht dasselbe – ihre Verwechslung mit einfachen Furunkeln ist ein Hauptgrund für die jahrelange Diagnoseverzögerung.
- Biologikum
- Eine Klasse von Medikamenten, die aus lebenden Zellen gewonnen werden und gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen. Bei Acne Inversa werden Biologika wie Adalimumab und Secukinumab eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.
- Pruritus (Juckreiz)
- Juckreiz. Bei Acne Inversa oft übersehen, weil der Schmerz im Vordergrund steht, aber eine bedeutende Minderheit der Betroffenen nennt Juckreiz als belastendste Beschwerde, besonders in der Abheilungsphase von Läsionen.
- Pustel
- Ein mit Eiter gefülltes Bläschen an der Hautoberfläche. Kleiner und oberflächlicher als ein Abszess.
- Haarfollikel
- Die röhrenförmige Struktur in der Haut, aus der ein Haar wächst. Bei Acne Inversa wird der Follikel verstopft und reißt schließlich ein, wodurch Zelltrümmer, Bakterien und Talgbestandteile ins umliegende Gewebe gelangen und die Entzündungskaskade der Erkrankung auslösen.
- Fistelgang
- Ein tunnelartiger Kanal unter der Haut, der sich zwischen Abszessen oder Knoten bildet. Fisteln sind ein Zeichen für eine fortgeschrittene Erkrankung und können chronisch Sekret absondern. Sie werden dem Hurley-Stadium II und III zugeordnet.
- Hurley-Stadium
- Ein klinisches Einteilungssystem zur Beurteilung des Schweregrads von Acne Inversa in drei Stufen: Stadium I (einzelne Abszesse ohne Fisteln), Stadium II (wiederkehrende Abszesse mit einzelnen Fisteln), Stadium III (ausgedehnte Fisteln und Narben über eine gesamte Region). Benannt nach Dr. Helen Hurley.
- Komedo
- Ein verstopfter Haarfollikel. Offene Komedonen sind Mitesser (Blackheads); geschlossene Komedonen sind Whiteheads.
- Abszess
- Eine entzündete, mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllte Höhle bzw. Schwellung. Bei Acne Inversa können Abszesse als Teil des entzündlichen Krankheitsprozesses entstehen und bedeuten nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt. Eine zusätzliche bakterielle Infektion kann auftreten und muss gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden. Abszesse treten bei Acne Inversa vor allem in Achselhöhlen, Leisten und anderen Körperfalten auf.
- Inzision und Drainage (I&D)
- Ein kleiner Schnitt zur Entleerung eines akuten, fluktuierenden Abszesses. Bietet schnelle Schmerzlinderung, verhindert jedoch keine Rezidive bei Acne Inversa – der Abszess kommt fast immer an derselben Stelle wieder. Darf nicht als definitive HS-Behandlung betrachtet werden.
- Diagnostische Verzögerung
- Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten der Symptome und einer korrekten HS-Diagnose. In internationalen Studien wiederholt mit etwa 7 bis 10 Jahren gemessen. Die Verringerung dieser Verzögerung ist eines der wichtigsten Ziele der HS-Patientenadvocacy.
- Adalimumab
- Ein Biologikum aus der Gruppe der TNF-α-Inhibitoren, das als erstes Medikament offiziell für die Behandlung mittelschwerer bis schwerer Acne Inversa zugelassen wurde. Es wird unter den Handelsnamen Humira® und als Biosimilars vertrieben.
- Secukinumab
- Ein Biologikum, das den Entzündungsbotenstoff Interleukin-17A (IL-17A) hemmt. Secukinumab wurde als zweites Biologikum für die Behandlung von Acne Inversa zugelassen und ist unter dem Handelsnamen Cosentyx® erhältlich.
- Bimekizumab
- Ein monoklonaler Antikörper, der sowohl IL-17A als auch IL-17F hemmt. Von der FDA am 20. November 2024 als erster kombinierter IL-17A- und IL-17F-Inhibitor für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer HS zugelassen; von der EMA im April 2024 zugelassen. Handelsname: Bimzelx®.
- IHS4-Score
- Ein validiertes Instrument zur Messung der Krankheitsaktivität bei Acne Inversa. Der Score berücksichtigt die Anzahl von Knoten, Abszessen und drainierenden Fisteln und ermöglicht eine objektive Einschätzung des aktuellen Zustands und des Therapieansprechens.
Häufige Fragen
Wie sieht Hidradenitis suppurativa im Frühstadium aus?
Frühe HS zeigt sich meist als einzelner, tief sitzender, fester und schmerzhafter Knoten von etwa 0,5 bis 2 cm in Hautfalten wie Achseln, Leiste oder unter der Brust. Anders als ein gewöhnlicher Pickel oder Furunkel fehlt der zentrale Eiterkopf, und die Knoten kehren über Wochen und Monate immer wieder in derselben Region zurück.
Wie unterscheidet sich HS von einem normalen Furunkel?
Furunkel sind meist isolierte Ereignisse, entwickeln einen sichtbaren Pustelkopf, sprechen in der Regel auf Antibiotika an und werden durch Staphylococcus aureus verursacht. HS-Knoten sind tiefer, ohne zentrale Nekrose, sprechen unter Antibiotika nur vorübergehend an und treten wiederholt an denselben Stellen in Hautfalten auf.
Warum dauert es bei HS so lange bis zur Diagnose?
Studien zeigen eine durchschnittliche diagnostische Verzögerung von 7 bis 10 Jahren. Gründe sind unter anderem mangelnde Vertrautheit vieler Ärzte mit HS, Scham der Patienten bei Läsionen in intimen Bereichen und Fehldiagnosen wie wiederkehrende Abszesse, Follikulitis oder eingewachsene Haare. Nur etwa 28 % erhalten beim ersten Arztbesuch die richtige Diagnose.
Wann sollte ich an HS denken und einen Dermatologen aufsuchen?
Ein dermatologischer Termin ist sinnvoll, wenn schmerzhafte Knoten, Abszesse oder nässende Wunden in Achseln, Leiste, unter den Brüsten oder am Gesäß wiederholt auftreten – insbesondere beidseitig und ohne dauerhafte Besserung durch Antibiotika. Diese drei Merkmale zusammen sind starke Hinweise auf eine mögliche HS.
Quellen
- Europäische S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/Acne inversa Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2025
- Diagnostische Verzögerung bei Hidradenitis suppurativa: die PIRANHA-Studie Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology
- Hidradenitis suppurativa — ein Paradigmenwechsel hin zur frühen biologischen Intervention Dermatologic Therapy, 2025
- Hidradenitis suppurativa (Lancet Seminar) The Lancet, 2025
- Identifizierung unterdiagnostizierter Hidradenitis suppurativa mittels maschinellem Lernen Frontiers in Medical Technology, 2024
- Internationaler Konsens zum Ultraschall bei Hidradenitis suppurativa European Academy of Dermatology and Venereology, 2025
- Nordamerikanische klinische Behandlungsleitlinien für Hidradenitis suppurativa — spezielle Patientengruppen Journal of the American Academy of Dermatology, 2025