Arztbesuche

Acne inversa (Akne inversa) betrifft mehr als die Haut: Welche Begleiterkrankungen sollten kontrolliert werden?

Die neue europäische S2k-Leitlinie 2026 beschreibt erstmals einen strukturierten Screening-Rahmen für Begleiterkrankungen bei HS: welche Bereiche, wie oft und mit welchem Ziel. Dieser Artikel ordnet den Rahmen ein und was er für Ihr nächstes Arztgespräch bedeutet.

In 60 Sekunden

Wenn Sie sich nur vier Dinge merken, dann diese:

  • Die neue europäische S2k-Leitlinie (Teil 1, 2026) beschreibt erstmals einen strukturierten Rahmen dafür, welche Begleiterkrankungen bei HS wann angesprochen werden sollten.
  • Psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf-Risiko und Diabetes/Stoffwechsel werden zum Erstbesuch und danach mindestens jährlich genannt; Gelenke, Wirbelsäule und Psoriasis zum Erstbesuch und bei Folgeterminen.
  • Der Darm wird anders behandelt: Eine Abklärung wird bei entsprechenden Beschwerden empfohlen, nicht als routinemäßiges Screening bei jeder Person.
  • Kein Bereich davon bedeutet eine Diagnose oder ein festes Testpaket — es beschreibt, was ein Gespräch wert ist, nicht, was jede Person mit HS braucht.

Der Rahmen ist eine Orientierung für das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam, keine Checkliste zum Einfordern. Er hilft vor allem dabei, ein Thema überhaupt zur Sprache zu bringen, das sonst leicht übersehen wird.

Wie stark einzelne Bereiche im Einzelfall abgeklärt werden sollten, hängt von Alter, Vorgeschichte und Beschwerden ab — das ist eine ärztliche Entscheidung, kein pauschaler Plan.

Nutzen Sie den Begleiterkrankungs-Check, um für sich zu ordnen, was Sie ansprechen möchten, und nehmen Sie das zum nächsten Termin mit.

Diese Kurzfassung wird gemeinsam mit dem vollständigen Text erstellt und aktualisiert. Belege, Einschränkungen und Quellen stehen unverändert im Artikel darunter.

Weiter zur ausführlichen Erklärung

Acne inversa (Hidradenitis suppurativa, HS) wird meist als Hauterkrankung besprochen — verständlicherweise, denn die schmerzhaften KnotenKnoten: Eine feste, tastbare Verdickung tief im Gewebe. Knoten können schmerzhaft sein und sich zu Abszessen weiterentwickeln. Sie gehören zu den typischen frühen Zeichen von Acne Inversa., AbszesseAbszess: Eine entzündete, mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllte Höhle bzw. Schwellung. Bei Acne Inversa können Abszesse als Teil des entzündlichen Krankheitsprozesses entstehen und bedeuten nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt. Eine zusätzliche bakterielle Infektion kann auftreten und muss gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden. Abszesse treten bei Acne Inversa vor allem in Achselhöhlen, Leisten und anderen Körperfalten auf. und FistelgängeFistelgang: Ein tunnelartiger Kanal unter der Haut, der sich zwischen Abszessen oder Knoten bildet. Fisteln sind ein Zeichen für eine fortgeschrittene Erkrankung und können chronisch Sekret absondern. Sie werden dem Hurley-Stadium II und III zugeordnet. sind das, was am unmittelbarsten spürbar ist. Aber die Forschung der letzten Jahre zeichnet ein breiteres Bild: HS geht mit einer Reihe anderer Erkrankungen einher, die in Gruppen von Menschen mit HS häufiger vorkommen als in Vergleichsgruppen — von der Psyche über Herz und Stoffwechsel bis zu Gelenken und Darm.

Die neue europäische S2k-Leitlinie zu Hidradenitis suppurativa/Acne inversa, deren erster Teil 2026 veröffentlicht wurde, macht daraus zum ersten Mal einen strukturierten Rahmen. Statt Begleiterkrankungen nur aufzuzählen, ordnet sie mehreren Bereichen eine konkrete Empfehlung zum Zeitpunkt zu: was zum Erstbesuch angesprochen werden sollte, was danach regelmäßig gehört, und was eher durch Beschwerden ausgelöst wird als routinemäßig kontrolliert zu werden. Das ist ein deutlicher Schritt über die Vorgänger-Leitlinie von 2015 hinaus, die Begleiterkrankungen zwar nannte, aber ohne einen vergleichbaren Rahmen dafür, wann welcher Bereich zur Sprache kommen sollte.

Dieser Artikel ordnet diesen Rahmen ein: welche Bereiche er umfasst, was die zugrunde liegende Evidenz für jeden davon zeigt, und — genauso wichtig — was er nicht bedeutet. Er richtet sich an Menschen mit HS, die verstehen möchten, warum ihr Behandlungsteam möglicherweise nach Dingen fragt, die auf den ersten Blick nichts mit der Haut zu tun haben, und die sich auf dieses Gespräch vorbereiten möchten.

Nur zur Information. Dieser Artikel erklärt einen Screening-Rahmen aus der aktuellen Fachliteratur. Er kann nicht feststellen, ob bei Ihnen eine der genannten Erkrankungen vorliegt, und ersetzt keine individuelle ärztliche Beurteilung.

Das Wichtigste in Kürze

  • HS wird zunehmend als entzündliche Systemerkrankung verstanden, nicht als isoliertes Hautproblem.
  • Die neue S2k-Leitlinie (Teil 1, 2026) beschreibt erstmals einen strukturierten Rahmen dafür, welche Begleiterkrankungen wann angesprochen werden sollten.
  • Psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf-Risiko und Diabetes/Stoffwechsel: Erstbesuch und danach mindestens jährlich.
  • Gelenke, Wirbelsäule und Psoriasis: Erstbesuch und Folgetermine.
  • Darm: bei entsprechenden Beschwerden, insbesondere perianalen Veränderungen oder anhaltenden Magen-Darm-Symptomen — nicht als routinemäßiges Screening ohne Anlass.
  • Nichts davon ist ein festes Testpaket, das jede Person mit HS durchlaufen muss; es ist ein Rahmen für das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam.

Was an der Leitlinie von 2026 neu ist

Die europäische S1-Leitlinie von 2015 war über ein Jahrzehnt lang die zentrale europäische Referenz für HS. Sie erwähnte bereits, dass HS mit einer Reihe von Begleit- und Folgeerkrankungen einhergeht — Adipositas, metabolisches SyndromMetabolisches Syndrom: Ein Cluster kardiovaskulärer Risikofaktoren – abdominelle Adipositas, erhöhter Blutdruck, erhöhter Nüchternblutzucker, veränderte Cholesterinwerte. Signifikant häufiger bei HS-Patienten als in der Allgemeinbevölkerung, unabhängig vom Gewicht allein., chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Spondyloarthropathie und andere hypererge Erkrankungen. Was ihr fehlte, war ein Rahmen dafür, wie dieses Wissen im Praxisalltag konkret angewendet werden sollte: wann welcher Bereich angesprochen wird, mit welcher Regelmäßigkeit, und durch wen.

Die neue Leitlinie erscheint in zwei Teilen. Teil 1 (Epidemiologie, Diagnose und klinische Beurteilung) wurde 2026 im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology veröffentlicht; Teil 2 zur Behandlung erschien bereits 2024. Beide Teile sind eine Aktualisierung der S1-Leitlinie von 2015 auf S2k-Niveau — das bedeutet, sie beruhen auf einem strukturierten Konsens eines Expertengremiums, erarbeitet über ein Delphi-Verfahren, statt auf einer formalen systematischen Evidenzbewertung jedes einzelnen Punktes. Die Autorinnen und Autoren selbst beschreiben die Erweiterung gegenüber 2015 als deutlichen Fortschritt für die Versorgung von HS-Patientinnen und -Patienten.

Für Begleiterkrankungen bedeutet das konkret: Statt einer Liste von Assoziationen ordnet die Leitlinie mehreren Bereichen eine Empfehlung zum Zeitpunkt der Abklärung zu. Das macht aus einem eher abstrakten „HS hängt mit X zusammen” etwas, das sich tatsächlich in einen Praxisablauf und in ein Arztgespräch übersetzen lässt.

Der Screening-Rahmen im Überblick

BereichWarum es relevant istWann laut RahmenWas das bedeuten kann
Psychische GesundheitDepression und AngstDepression und Angst: Signifikant häufiger bei Acne Inversa als bei gematchten Kontrollen. Sollte als Teil der umfassenden HS-Versorgung gezielt erfragt werden, nicht als separate Problematik behandelt werden. treten bei HS häufiger auf als in VergleichsgruppenErstbesuch + mindestens jährlichGespräch, ggf. Fragebogen
Herz und KreislaufErhöhte Raten kardiovaskulärer Risikofaktoren und EreignisseErstbesuch + mindestens jährlichBlutdruck, Anamnese, ggf. Laborwerte
Diabetes / StoffwechselMetabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes häufiger bei HSErstbesuch + mindestens jährlichAnamnese, Untersuchung, ggf. Laborwerte
Gelenke / WirbelsäuleErhöhtes Risiko für entzündliche Gelenkerkrankungen/SpondyloarthritisSpondyloarthritis: Eine Familie entzündlicher Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (u. a. Spondylitis ankylosans, Psoriasisarthritis), die mit Acne Inversa überlappen. Bei HS und unerklärlichen entzündlichen Rückenschmerzen (morgendliche Steifigkeit über 30 Minuten, Besserung durch Bewegung) ist eine Abklärung sinnvoll.Erstbesuch + FolgetermineAnamnese der Rückenschmerzen, Untersuchung
DarmAssoziation mit Morbus Crohn/Colitis ulcerosaBei entsprechenden Beschwerden, v. a. perianalKlinische Beurteilung, ggf. Überweisung
PsoriasisGemeinsame Signalwege, assoziierte HauterkrankungErstbesuch + FolgetermineHautuntersuchung

Wichtig ist die Spalte „Wann”: Der Rahmen behandelt diese Bereiche nicht gleich. Drei Bereiche — Psyche, Herz-Kreislauf, Stoffwechsel — werden mit einem wiederkehrenden, jährlichen Rhythmus beschrieben, ähnlich einer allgemeinen Vorsorgeuntersuchung. Drei weitere — Gelenke, Psoriasis und in gewissem Sinn die generelle Verlaufsbeobachtung — werden zum Erstbesuch und bei Folgeterminen angesprochen, ohne einen festen Jahresrhythmus. Der Darm wird bewusst anders behandelt: hier steht nicht ein routinemäßiges Screening im Vordergrund, sondern eine Abklärung, wenn konkrete Beschwerden — insbesondere perianale Veränderungen oder anhaltende Magen-Darm-Symptome — vorliegen.

Diese Unterscheidung ist selbst eine wichtige Aussage: Sie signalisiert, dass nicht jede Begleiterkrankung gleich behandelt werden soll, und dass „Begleiterkrankungs-Screening” kein einheitliches Blutbild-Paket ist, das bei jeder Person mit HS automatisch abläuft.

Psychische Gesundheit

Depression und Angst gehören zu den am besten belegten psychiatrischen Begleiterkrankungen bei HS. Laut PubMed fand eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus dem Jahr 2019, die zehn Studien mit insgesamt 40.307 HS-Patientinnen und -Patienten zusammenfasste, eine Depressions-Prävalenz von 16,9 % (95%-KI 9,9–27,2 %) und eine Odds Ratio von 1,84 (95%-KI 1,57–2,15) gegenüber Menschen ohne HS (DOI). Für Angst lag die Prävalenz bei 4,9 % (95%-KI 1,7–13,2 %); für eine belastbare Odds Ratio reichten die verfügbaren Vergleichsdaten nicht aus.

Diese Zahlen sind Gruppenzusammenhänge aus Beobachtungsstudien — sie sagen, dass Depression bei HS-Patientinnen und -Patienten als Gruppe häufiger gefunden wurde, nicht, dass eine einzelne Person mit HS automatisch betroffen ist. Der Rahmen der neuen Leitlinie sieht deshalb vor, psychische Gesundheit zum Erstbesuch und danach mindestens jährlich anzusprechen — nicht, jede Person auf eine Diagnose zu screenen, sondern ihr regelmäßig die Möglichkeit zu geben, das Thema zur Sprache zu bringen. Die evidenzbasierten Empfehlungen der US-amerikanischen und kanadischen HS-Stiftungen (Garg et al., 2022) nennen aus ähnlichen Gründen ausdrücklich Depression, generalisierte Angststörung und Suizidalität als Bereiche, für die ein Screening bei HS empfohlen wird.

Scham und Körperbild sind ein eng verwandtes, aber eigenständiges Thema — der begleitende Artikel zu Scham, Körperbild und Acne inversa geht darauf gesondert ein.

Herz und Kreislauf

Die kardiovaskuläre Dimension der HS ist eine der am stärksten belegten. Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie fand ein etwa doppelt so hohes Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse und eine 1,7- bis 2-fach höhere kardiovaskulär bedingte Mortalität im Vergleich zu Kontrollpersonen. Das erhöhte Risiko wird nicht allein durch Adipositas erklärt: Auch nach Korrektur für den BMI trägt HS unabhängig zum kardiovaskulären Risiko bei, ein Muster, das mit chronischer systemischer Entzündung als eigenständigem Risikofaktor übereinstimmt.

Der Rahmen sieht deshalb eine kardiovaskuläre Risikoeinschätzung zum Erstbesuch und danach mindestens jährlich vor — Blutdruckmessung, Anamnese und je nach Risikoprofil Laborwerte wie Blutfette. Das ist im Kern keine HS-spezifische Sonderuntersuchung, sondern eine Erinnerung daran, die allgemeine kardiovaskuläre Vorsorge nicht zu vernachlässigen, weil die Aufmerksamkeit auf der Haut liegt. Der begleitende Artikel zu metabolischem Syndrom und Acne inversa behandelt diesen Zusammenhang ausführlich, einschließlich der genauen Zahlen und der biologischen Erklärung.

Diabetes und Stoffwechsel

Eng verbunden mit dem kardiovaskulären Bild: Das metabolische Syndrom tritt bei HS-Patientinnen und -Patienten in Studien etwa vier Mal häufiger auf als in vergleichbaren Kontrollgruppen. Für die Einzelkomponenten berichtet eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 eine etwa 2,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit für Adipositas (OR 2,48) und eine etwa 2,8-fach höhere Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes (OR 2,78) bei HS.

Auch hier sieht der Rahmen einen Erstbesuch mit Folgekontrollen mindestens jährlich vor: Gewicht und Taillenumfang, Blutdruck (der sich mit dem kardiovaskulären Bereich überschneidet) und je nach Risikoprofil Nüchternblutzucker oder HbA1c. Ob eine Laboruntersuchung im Einzelfall angemessen ist, hängt von Alter und individuellem Risiko ab — das ist eine ärztliche Entscheidung, keine automatische Folge der HS-Diagnose.

Gelenke und Wirbelsäule

Die Verbindung zwischen HS und Spondyloarthritis — einer Gruppe entzündlicher Gelenkerkrankungen, zu der die axiale Spondyloarthritis und der Morbus Bechterew gehören — ist mechanistisch gut belegt und klinisch häufig unterdiagnostiziert. Studien berichten eine Spondyloarthritis-Prävalenz in HS-Populationen von etwa 1,5 % bis 40 %, wobei sich die plausibelsten Schätzungen um 3 % bis 8 % gruppieren — verglichen mit unter 2 % in der Allgemeinbevölkerung. Der IL-17-Entzündungsweg, der bei HS zentral ist, ist auch bei der Spondyloarthritis zentral, was eine klare biologische Verbindung liefert und erklärt, warum IL-17-Inhibitoren wie SecukinumabSecukinumab: Ein Biologikum, das den Entzündungsbotenstoff Interleukin-17A (IL-17A) hemmt. Secukinumab wurde als zweites Biologikum für die Behandlung von Acne Inversa zugelassen und ist unter dem Handelsnamen Cosentyx® erhältlich. und BimekizumabBimekizumab: Ein monoklonaler Antikörper, der sowohl IL-17A als auch IL-17F hemmt. Von der FDA am 20. November 2024 als erster kombinierter IL-17A- und IL-17F-Inhibitor für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer HS zugelassen; von der EMA im April 2024 zugelassen. Handelsname: Bimzelx®. für beide Erkrankungen zugelassen sind.

Der Rahmen sieht hier keinen festen Jahresrhythmus vor, sondern eine Ansprache zum Erstbesuch und bei Folgeterminen: eine kurze Anamnese entzündlicher Rückenschmerzen (schleichender Beginn, Morgensteifigkeit über 30 Minuten, Besserung bei Bewegung) und Gelenkbeschwerden. Der begleitende Artikel zu Spondyloarthritis und Acne inversa beschreibt, welche Symptome eine rheumatologische Überweisung rechtfertigen.

Der Darm

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen — insbesondere Morbus Crohn — treten bei HS deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Eine bevölkerungsbasierte niederländische Kohorte berichtete ein Odds Ratio von 2,69 (95%-KI 1,25–5,79) für Morbus Crohn bei HS-Patientinnen und -Patienten; die publizierte Prävalenz in HS-Kohorten reicht von 1,2 % bis 23 % je nach Studienpopulation, verglichen mit etwa 0,1–0,3 % in der Allgemeinbevölkerung. Colitis ulcerosa ist ebenfalls erhöht, aber weniger stark und weniger robust belegt.

Anders als bei Psyche, Herz-Kreislauf und Stoffwechsel sieht der Rahmen hier kein routinemäßiges Screening bei jeder Person vor, sondern eine Abklärung, wenn konkrete Beschwerden vorliegen — vor allem perianale Fistelgänge oder Veränderungen, die von der typischen HS-Lokalisation abweichen, sowie anhaltender Durchfall, Blut im Stuhl, wiederkehrende Bauchschmerzen oder ungewollter Gewichtsverlust. Diese Unterscheidung ist klinisch sinnvoll: Perianale HS und perianaler Morbus Crohn können ähnlich aussehen, und ihre Unterscheidung beeinflusst Behandlungsentscheidungen unmittelbar. Der begleitende Artikel zu Acne inversa und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen geht darauf im Detail ein.

Psoriasis

Psoriasis wird in Empfehlungen zur Begleiterkrankungs-Abklärung bei HS regelmäßig genannt, unter anderem weil beide Erkrankungen entzündliche Signalwege teilen — insbesondere IL-17 und IL-23 — und weil dieselben BiologikaBiologikum: Eine Klasse von Medikamenten, die aus lebenden Zellen gewonnen werden und gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen. Bei Acne Inversa werden Biologika wie Adalimumab und Secukinumab eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken. (Secukinumab, Bimekizumab) für beide zugelassen sind. Anders als bei Gelenken und Darm gibt es für Psoriasis bei HS keine ebenso präzise beschriebene Prävalenzspanne wie für Spondyloarthritis oder Morbus Crohn; die Empfehlung, sie zum Erstbesuch und bei Folgeterminen anzusprechen, stützt sich vor allem auf die klinische Beobachtung, dass eine Hautuntersuchung ohnehin Teil jedes dermatologischen Termins ist.

Was das nicht bedeutet

Es lohnt sich, ausdrücklich zu sagen, wofür dieser Rahmen nicht steht.

  • Er bedeutet nicht, dass jede Person mit HS an einer dieser Erkrankungen leidet oder leiden wird.
  • Er bedeutet nicht, dass ein festes Laborpanel bei jeder Person mit HS routinemäßig abläuft — welche Untersuchung angemessen ist, entscheidet die individuelle Risikobeurteilung.
  • Er ersetzt keine Diagnose. Eine Odds Ratio oder eine erhöhte Prävalenz in Studien beschreibt einen Zusammenhang auf Gruppenebene, keine persönliche Vorhersage.
  • Er ist kein Grund, sich selbst Tests zu verordnen oder auf eine bestimmte Untersuchung zu bestehen, ohne dass eine ärztliche Einschätzung dahintersteht.

Die Unterscheidung zwischen routinemäßiger Vorsorge (Psyche, Herz-Kreislauf, Stoffwechsel) und beschwerdeausgelöster Abklärung (Darm) ist selbst Teil der Botschaft: Nicht jede Begleiterkrankung verdient dieselbe Art von Aufmerksamkeit, und mehr Screening ist nicht automatisch besser.

Was Sie beim nächsten Termin ansprechen können

Sie müssen keine Fachsprache verwenden, um dieses Thema zur Sprache zu bringen. Ein möglicher Einstieg:

„Ich habe gelesen, dass die neue europäische Leitlinie zu HS empfiehlt, bestimmte Begleiterkrankungen regelmäßig anzusprechen — etwa psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf-Risiko und Stoffwechsel. Können wir kurz durchgehen, ob das bei mir aktuell ist?”

Ergänzen Sie, was konkret zu Ihrer Situation passt: ungewöhnliche Rückenschmerzen, anhaltende Magen-Darm-Beschwerden, eine belastete Stimmung oder einfach die Frage, wann Ihr letzter allgemeiner Gesundheits-Check-up war. Ein konkretes Detail macht das Gespräch deutlich nützlicher als die allgemeine Frage allein.

Wer ist zuständig?

Kein einzelnes Fachgebiet deckt diesen gesamten Rahmen ab, und das ist kein Zufall, sondern der Grund, warum Begleiterkrankungen bei HS häufig unterversorgt bleiben. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gehören klassisch in die hausärztliche Vorsorge; Gelenkbeschwerden führen zur Rheumatologie; Darmbeschwerden zur Gastroenterologie; psychische Gesundheit kann in jeder dieser Praxen angesprochen werden. Die DermatologieDermatologie: Das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Hauterkrankungen befasst. Acne Inversa wird häufig von Dermatologinnen und Dermatologen behandelt, obwohl auch Chirurgie und andere Fachbereiche beteiligt sein können., die die HS behandelt, sieht Sie oft am regelmäßigsten — ihre Rolle besteht vor allem darin, auf die Notwendigkeit hinzuweisen und die HS-Diagnose an die anderen Fachrichtungen zu kommunizieren, nicht darin, jede Untersuchung selbst durchzuführen. Der begleitende Artikel zu Ihrem HS-Behandlungsteam beschreibt, wie sich diese Koordination in der Praxis organisieren lässt.

Speziell in Deutschland

Viele der hier genannten Themen sind keine Sonderuntersuchungen, sondern Teil der allgemeinen Vorsorge, die Erwachsenen in Deutschland ohnehin offensteht:

  • Gesundheits-Check-up: im Rahmen der GKV alle drei Jahre für Erwachsene ab 35 Jahren verfügbar, einmalig zwischen 18 und 34 Jahren. Die Blutdruckmessung ist regulär enthalten; Blutzucker und Blutfette gehören ab 35 Jahren ebenfalls regulär dazu, bei jüngeren Erwachsenen abhängig vom individuellen Risikoprofil.
  • Hausarztpraxis: koordiniert typischerweise die kardiometabolische Vorsorge und leitet bei Bedarf an Fachrichtungen weiter.
  • Überweisungen an Rheumatologie, Gastroenterologie oder psychotherapeutische/psychiatrische Versorgung werden bei entsprechenden Beschwerden von der Hausarztpraxis oder der Dermatologie veranlasst.

HS ist dabei keine eigene Zugangsvoraussetzung für eine besondere Kassenleistung — der Punkt ist nicht, ein neues Anrecht zu erfinden, sondern die ohnehin bestehende Vorsorge tatsächlich zu nutzen, statt sie zu übersehen, weil die Aufmerksamkeit bei episodischen HS-Terminen auf der Haut liegt.

Was die Evidenz nicht zeigt

Die aktuelle Evidenz zeigt nicht, dass:

  • jede Person mit HS eine der genannten Begleiterkrankungen hat oder entwickeln wird;
  • ein bestimmtes Screening-Intervall für jede Person gleich angemessen ist, unabhängig von Alter und individuellem Risiko;
  • eine erfolgreiche HS-Behandlung eine dieser Begleiterkrankungen zuverlässig beseitigt, auch wenn eine bessere Kontrolle der systemischen Entzündung bei einigen Bereichen plausibel indirekt helfen kann;
  • Begleiterkrankungs-Screening bei HS bereits flächendeckend und einheitlich in der Versorgungspraxis umgesetzt ist — mehrere Studien zeigen im Gegenteil, dass dies häufig unzureichend geschieht.

Fazit

HS ist mehr als eine Hauterkrankung, und die neue europäische S2k-Leitlinie macht das erstmals mit einem konkreten Rahmen greifbar: welche Bereiche wann angesprochen werden sollten, statt nur, dass sie überhaupt zusammenhängen. Der Rahmen ist keine Checkliste, die Sie einfordern müssen, und kein Grund zur Sorge, dass Sie automatisch betroffen sind. Er ist eine Einladung, ein Thema zur Sprache zu bringen, das in der Versorgungspraxis leicht zwischen Fachrichtungen verloren geht — und ein Hinweis darauf, dass die allgemeine Vorsorge, die Ihnen ohnehin zusteht, es wert ist, tatsächlich genutzt zu werden.

In diesem Artikel erklärte Begriffe

Kurzdefinitionen der wichtigsten Fachbegriffe. Zum vollständigen Eintrag im Glossar geht es über den jeweiligen Begriff.

Knoten
Eine feste, tastbare Verdickung tief im Gewebe. Knoten können schmerzhaft sein und sich zu Abszessen weiterentwickeln. Sie gehören zu den typischen frühen Zeichen von Acne Inversa.
Abszess
Eine entzündete, mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllte Höhle bzw. Schwellung. Bei Acne Inversa können Abszesse als Teil des entzündlichen Krankheitsprozesses entstehen und bedeuten nicht automatisch, dass eine bakterielle Infektion vorliegt. Eine zusätzliche bakterielle Infektion kann auftreten und muss gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden. Abszesse treten bei Acne Inversa vor allem in Achselhöhlen, Leisten und anderen Körperfalten auf.
Fistelgang
Ein tunnelartiger Kanal unter der Haut, der sich zwischen Abszessen oder Knoten bildet. Fisteln sind ein Zeichen für eine fortgeschrittene Erkrankung und können chronisch Sekret absondern. Sie werden dem Hurley-Stadium II und III zugeordnet.
Metabolisches Syndrom
Ein Cluster kardiovaskulärer Risikofaktoren – abdominelle Adipositas, erhöhter Blutdruck, erhöhter Nüchternblutzucker, veränderte Cholesterinwerte. Signifikant häufiger bei HS-Patienten als in der Allgemeinbevölkerung, unabhängig vom Gewicht allein.
Depression und Angst
Signifikant häufiger bei Acne Inversa als bei gematchten Kontrollen. Sollte als Teil der umfassenden HS-Versorgung gezielt erfragt werden, nicht als separate Problematik behandelt werden.
Spondyloarthritis
Eine Familie entzündlicher Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (u. a. Spondylitis ankylosans, Psoriasisarthritis), die mit Acne Inversa überlappen. Bei HS und unerklärlichen entzündlichen Rückenschmerzen (morgendliche Steifigkeit über 30 Minuten, Besserung durch Bewegung) ist eine Abklärung sinnvoll.
Secukinumab
Ein Biologikum, das den Entzündungsbotenstoff Interleukin-17A (IL-17A) hemmt. Secukinumab wurde als zweites Biologikum für die Behandlung von Acne Inversa zugelassen und ist unter dem Handelsnamen Cosentyx® erhältlich.
Bimekizumab
Ein monoklonaler Antikörper, der sowohl IL-17A als auch IL-17F hemmt. Von der FDA am 20. November 2024 als erster kombinierter IL-17A- und IL-17F-Inhibitor für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer HS zugelassen; von der EMA im April 2024 zugelassen. Handelsname: Bimzelx®.
Biologikum
Eine Klasse von Medikamenten, die aus lebenden Zellen gewonnen werden und gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen. Bei Acne Inversa werden Biologika wie Adalimumab und Secukinumab eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.
Dermatologie
Das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Hauterkrankungen befasst. Acne Inversa wird häufig von Dermatologinnen und Dermatologen behandelt, obwohl auch Chirurgie und andere Fachbereiche beteiligt sein können.

Häufige Fragen

Muss ich jetzt auf alle diese Begleiterkrankungen getestet werden?

Nein. Der Screening-Rahmen beschreibt, was bei HS-Patientinnen und -Patienten als Gruppe häufiger vorkommt und deshalb ein Gespräch wert ist — nicht, dass jede Person jeden Test braucht. Ob eine konkrete Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt von Alter, Vorgeschichte, Beschwerden und individuellem Risiko ab, und das entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die oder der Sie behandelt.

Was ist neu an der Leitlinie von 2026 im Vergleich zu der von 2015?

Die europäische S1-Leitlinie von 2015 erwähnte Begleiterkrankungen bereits, aber ohne einen strukturierten Rahmen dafür, wann welcher Bereich angesprochen werden sollte. Die neue S2k-Leitlinie (Teil 1, veröffentlicht 2026 im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology) ordnet mehrere Bereiche jeweils einer Empfehlung zum Zeitpunkt zu — Erstbesuch, danach regelmäßig oder bei entsprechenden Beschwerden — und bettet das in ein deutlich erweitertes Kapitel zu Diagnostik, Schweregradmessung und Begleiterkrankungen ein.

Wer ist für dieses Screening zuständig — Dermatologie oder Hausarztpraxis?

Unterschiedlich je nach Bereich. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gehören klassisch in die hausärztliche Vorsorge; psychische Gesundheit kann in beiden Praxen angesprochen werden; Gelenkbeschwerden führen zur Rheumatologie, Darmbeschwerden zur Gastroenterologie. Die Rolle der Dermatologie besteht vor allem darin, auf die Notwendigkeit hinzuweisen und die HS-Diagnose an die anderen Fachrichtungen zu kommunizieren — nicht darin, jeden Test selbst durchzuführen.

Wird jeder Bereich gleich streng gehandhabt?

Nein, und das ist ein wichtiger Punkt des Rahmens. Psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf-Risiko und Diabetes/Stoffwechsel werden mit einem regelmäßigen, wiederkehrenden Rhythmus beschrieben. Gelenke, Wirbelsäule und Psoriasis werden zum Erstbesuch und bei Folgeterminen angesprochen. Der Darm wird bewusst anders behandelt: Eine Abklärung wird ausgelöst durch entsprechende Beschwerden, insbesondere perianale Veränderungen oder anhaltende Magen-Darm-Symptome, nicht durch ein routinemäßiges Screening ohne Anlass.

Ich habe keine Beschwerden in diesen Bereichen — soll ich das Thema trotzdem ansprechen?

Ja, kurz zu erwähnen kostet wenig und kann helfen, ein Thema im Blick zu behalten, das sonst zwischen Fachrichtungen verloren geht. Sie müssen nichts einfordern — es reicht oft, in der hausärztlichen Vorsorge zu erwähnen, dass Sie HS haben, und zu fragen, ob die üblichen Vorsorgeuntersuchungen aktuell sind.

Ersetzt dieser Artikel eine individuelle Risikoeinschätzung?

Nein. Dieser Artikel beschreibt, was in der Leitlinie und der zugrunde liegenden Forschung als Gruppenzusammenhang beschrieben wird. Er kann nicht feststellen, ob eine der genannten Erkrankungen bei Ihnen vorliegt oder wie hoch Ihr persönliches Risiko ist — das erfordert eine individuelle ärztliche Beurteilung.

Quellen

  1. Jemec GBE, Villumsen B, van Straalen KR, et al. European S2k guidelines for hidradenitis suppurativa/acne inversa Part 1. Epidemiology, diagnosis and clinical assessment. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2026
  2. Zouboulis CC, Desai N, Emtestam L, et al. European S1 guideline for the treatment of hidradenitis suppurativa/acne inversa (historische Referenz; durch die S2k-Leitlinie 2024/2026 abgelöst). Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2015
  3. Garg A, Malviya N, Strunk A, et al. Comorbidity screening in hidradenitis suppurativa: Evidence-based recommendations from the US and Canadian Hidradenitis Suppurativa Foundations. Journal of the American Academy of Dermatology, 2022
  4. Machado MO, Stergiopoulos V, Maes M, et al. Depression and Anxiety in Adults With Hidradenitis Suppurativa: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Dermatology, 2019
  5. Reddy S, Strunk A, Garg A. Incidence of myocardial infarction, stroke, and cardiovascular-associated death among patients with hidradenitis suppurativa: a population-based analysis. JAMA Dermatology
  6. Egeberg A, Gislason GH, Hansen PR. Risk of major adverse cardiovascular events and all-cause mortality in patients with hidradenitis suppurativa. JAMA Dermatology
  7. Sabat R et al. Increased prevalence of metabolic syndrome in patients with acne inversa. PLOS One
  8. Schneider-Burrus S et al. High prevalence of hidradenitis suppurativa symptoms in axial spondyloarthritis patients: A possible new extra-articular manifestation. Seminars in Arthritis and Rheumatism
  9. Tzellos T, Zouboulis CC. Review of Comorbidities of Hidradenitis Suppurativa: Implications for Daily Clinical Practice. Dermatology and Therapy, 2020