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Grundlagen

Was ist Acne Inversa?

Acne inversa ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die häufiger vorkommt, als viele Menschen denken – und viel zu oft falsch diagnostiziert wird. Hier erfahren Sie das Wichtigste zu den Symptomen, dem Krankheitsverlauf und dem richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch mit einem Dermatologen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Acne inversa (Hidradenitis suppurativa) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung – keine Infektion und nicht durch mangelnde Hygiene verursacht.
  • Sie tritt typischerweise als schmerzhafte Knoten, Abszesse und Tunnel in Hautfaltenbereichen auf, etwa in den Achselhöhlen, in der Leiste und unter der Brust.
  • Die Erkrankung verläuft in drei klinischen Stadien (Hurley-Stadien), von isolierten Knoten bis hin zu ausgedehnter Vernarbung und Tunnelbildung.
  • Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend. Im Durchschnitt warten Betroffene mit Acne inversa Jahre, bis eine korrekte Diagnose gestellt wird.
  • Wenn Sie immer wiederkehrende schmerzhafte Knoten in Hautfaltenbereichen bemerken, suchen Sie einen Dermatologen auf – auch dann, wenn frühere Ärzte sie als Furunkel oder Zysten bezeichnet haben.

Eine Erkrankung mit vielen Namen – und zu wenig Aufmerksamkeit

Acne inversa wird unter mehreren Bezeichnungen geführt. In der medizinischen Fachliteratur wird sie am häufigsten als Hidradenitis suppurativa bezeichnet, oft abgekürzt als HS. Auch der Begriff Acne inversa ist gebräuchlich, insbesondere in der europäischen Dermatologie. Obwohl schätzungsweise ein bis vier Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind, gehört sie zu den am wenigsten bekannten chronischen Hauterkrankungen.

Der Name selbst kann irreführend sein. Acne inversa ist keine Form der Akne. Sie entsteht nicht durch verstopfte Poren wie die gewöhnliche Akne (Acne vulgaris), und herkömmliche Akne-Behandlungen sind in der Regel nicht wirksam. Diesen Unterschied zu verstehen, ist einer der ersten Schritte hin zu einer geeigneten Versorgung.

Was in der Haut geschieht

Acne inversa beruht auf einer chronischen Entzündung der Haarfollikel. Der Prozess beginnt typischerweise damit, dass ein Haarfollikel in einem Hautfaltenbereich verstopft und unter der Hautoberfläche aufbricht. Das Immunsystem reagiert mit einer starken Entzündung, was zur Bildung schmerzhafter Knoten und mit der Zeit zu Abszessen führt, die aufbrechen und sich entleeren können.

In fortgeschritteneren Fällen entstehen durch wiederholte Entzündungs- und Heilungszyklen sogenannte Fistelgänge – Tunnel unter der Haut, die entzündete Bereiche miteinander verbinden. Es bildet sich Narbengewebe. Das Ergebnis ist eine Erkrankung, die zutiefst schmerzhaft, körperlich einschränkend und emotional zermürbend sein kann.

Wichtig ist: Acne inversa wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht und ist nicht ansteckend. Es handelt sich um eine systemische entzündliche Erkrankung mit genetischen, immunologischen und umweltbedingten Komponenten.

Wo tritt die Erkrankung auf?

Acne inversa zeigt eine deutliche Vorliebe für Körperstellen, an denen Hautfalten aneinander reiben. Zu den am häufigsten betroffenen Bereichen gehören:

  • Achselhöhlen (Axillae)
  • Leistengegend und Innenseiten der Oberschenkel
  • Unter der Brust (inframammäre Falten)
  • Gesäß und perianaler Bereich
  • Unterbauch

Seltener können Läsionen auch im Nacken, hinter den Ohren oder am Brustkorb auftreten. Manche Betroffene haben die Erkrankung nur an einer Stelle. Andere sind gleichzeitig in mehreren Regionen betroffen.

Die Symptome erkennen

Die Symptome der Acne inversa können sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein, doch es gibt charakteristische Muster.

Wiederkehrende schmerzhafte Knoten

Das früheste und häufigste Anzeichen ist das Auftreten tiefer, druckempfindlicher Knoten unter der Haut. Es handelt sich nicht um oberflächliche Pickel – sie sitzen tiefer im Gewebe und können von Erbsen- bis zu mehreren Zentimetern Größe reichen. Sie werden häufig mit Furunkeln, eingewachsenen Haaren oder infizierten Zysten verwechselt, was eine der Hauptursachen für Fehldiagnosen ist.

Abszesse und Sekretentleerung

Im weiteren Verlauf können sich Knoten zu Abszessen entwickeln – Eiteransammlungen, die schließlich aufbrechen und sich entleeren können. Das austretende Sekret kann übel riechen, was für viele Patienten eine erhebliche psychische und soziale Belastung darstellt. Manche Abszesse heilen von selbst ab, andere erfordern eine medizinische Behandlung.

Fistelgänge und Tunnel

Bei fortgeschrittener Erkrankung führen wiederholte Entzündungen in derselben Region zur Bildung von Fistelgängen – Kanälen unter der Hautoberfläche, die einzelne Läsionen miteinander verbinden. Diese Gänge können sich zeitweise entleeren und sind ohne chirurgischen Eingriff oft therapieresistent.

Vernarbung

Chronische Entzündungen und wiederholte Wundheilung führen im Lauf der Zeit zur Bildung von Narbengewebe. In schweren Fällen kann die Vernarbung dick und strangartig (hypertroph) werden und Bewegungen einschränken sowie erhebliche Beschwerden verursachen.

Schmerzen und Druckempfindlichkeit

Schmerzen gehören zu den am häufigsten genannten und belastendsten Symptomen. Sie können von einem dumpfen Druckgefühl bis zu stechenden, pochenden Schmerzen reichen, die das Sitzen, Gehen oder Bewegen der Arme beeinträchtigen. Viele Patienten beschreiben Schübe als zu den schmerzhaftesten Erfahrungen ihres Lebens.

Das Hurley-Stadiensystem

Dermatologen verwenden das Hurley-Stadiensystem, um den Schweregrad der Acne inversa zu klassifizieren. Es handelt sich um ein einfaches, weit verbreitetes Schema, das bei der Therapieentscheidung hilft.

Hurley-Stadium I – mild

Einzelne oder mehrere isolierte Abszesse ohne Fistelgänge oder nennenswerte Vernarbung. Läsionen können kommen und gehen. Viele Patienten in diesem Stadium haben noch keine formale Diagnose erhalten, da die Symptome gewöhnlichen Furunkeln oder einer Follikulitis ähneln können.

Hurley-Stadium II – mittelschwer

Wiederkehrende Abszesse mit beginnender Fistelgang- und Narbenbildung. Läsionen können in mehr als einem Bereich auftreten, und Schübe sind tendenziell häufiger. Alltägliche Aktivitäten können während aktiver Schubphasen schwieriger werden.

Hurley-Stadium III – schwer

Diffuser oder ausgedehnter Befall mit mehreren miteinander verbundenen Fistelgängen, ausgeprägter Vernarbung und chronischer Sekretentleerung. Dieses Stadium hat häufig tiefgreifende Auswirkungen auf Mobilität, Alltag und psychische Gesundheit. Chirurgische Optionen werden in diesem Stadium häufig besprochen.

Eine Anmerkung zur Stadieneinteilung

Das Hurley-System ist nützlich, hat aber Grenzen. Es liefert eine Momentaufnahme des Schweregrads, gibt jedoch nicht vollständig wieder, wie die Erkrankung die Lebensqualität beeinflusst. Zwei Patienten im selben Hurley-Stadium können je nach Schmerzintensität, Schubhäufigkeit, Lokalisation der Läsionen und psychischer Belastung sehr unterschiedliche Erfahrungen machen. Neuere Bewertungsinstrumente wie das International Hidradenitis Suppurativa Severity Score System (IHS4) zielen darauf ab, diese Nuancen genauer zu erfassen.

Wer ist betroffen?

Acne inversa kann jeden treffen, doch bestimmte Gruppen sind häufiger betroffen.

  • Erkrankungsalter: Die Symptome beginnen meist nach der Pubertät, typischerweise zwischen dem späten Jugendalter und dem frühen dritten Lebensjahrzehnt. Vor der Pubertät ist sie selten, nach der Menopause weniger häufig.
  • Geschlecht: Die Erkrankung wird häufiger bei Frauen diagnostiziert, doch auch Männer können betroffen sein und neigen möglicherweise eher zu perianalen oder glutealen Verläufen.
  • Familiäre Vorgeschichte: Es scheint eine genetische Komponente zu geben. Ein erstgradiger Verwandter mit Acne inversa erhöht die Wahrscheinlichkeit, selbst zu erkranken.
  • Rauchen und Körpergewicht: Sowohl Tabakkonsum als auch ein höherer Body-Mass-Index sind mit schwereren Verläufen verbunden, gelten jedoch nicht als direkte Ursachen.

Was löst Schübe aus?

Schubmuster sind individuell verschieden, häufig genannte Auslöser sind jedoch:

  • Reibung und Druck durch enge Kleidung oder langes Sitzen
  • Hitze und Schwitzen, besonders bei warmem Wetter oder beim Sport
  • Hormonelle Veränderungen, einschließlich Menstruationszyklus
  • Stress, sowohl körperlich als auch emotional
  • Bestimmte Lebensmittel, wobei die Datenlage zu Ernährungsauslösern begrenzt ist und individuelle Reaktionen variieren

Es ist erwähnenswert, dass die Identifizierung persönlicher Auslöser Zeit braucht und oft eine sorgfältige Selbstbeobachtung erfordert. Was bei einer Person einen Schub auslöst, kann bei einer anderen wirkungslos bleiben.

Warum die Diagnose so lange dauert

Einer der frustrierendsten Aspekte der Acne inversa ist die Verzögerung bei der Diagnose. Studien zeigen, dass die durchschnittliche Zeit von den ersten Symptomen bis zur bestätigten Diagnose sieben bis zehn Jahre oder mehr betragen kann. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Viele Allgemeinärzte sind mit der Erkrankung – insbesondere in ihren frühen Stadien – nicht vertraut. Die Knoten und Abszesse, die eine frühe Acne inversa kennzeichnen, lassen sich leicht mit wiederkehrenden Furunkeln, einer Follikulitis oder infizierten Zysten verwechseln. Patienten werden häufig wiederholt mit Antibiotika behandelt oder zur Drainage einzelner Abszesse überwiesen, ohne dass das zugrunde liegende Muster erkannt wird.

Auch Scham spielt eine Rolle. Da Acne inversa häufig intime Körperregionen betrifft und mit Geruch und Sekretentleerung einhergehen kann, zögern viele Betroffene, Hilfe zu suchen oder ihre Symptome vollständig zu schildern. Hinzu kommen hartnäckige Missverständnisse – ein Überblick findet sich in unserem Beitrag zu 10 Mythen über Acne inversa.

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

Wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft, lohnt sich ein Termin bei einem Dermatologen – idealerweise einem mit Erfahrung in entzündlichen Hauterkrankungen:

  • Sie haben wiederkehrende schmerzhafte Knoten in den Achselhöhlen, in der Leiste, unter der Brust oder am Gesäß, die immer wieder an denselben Stellen auftreten.
  • Es wurde Ihnen gesagt, Sie hätten chronische Furunkel oder wiederkehrende Abszesse, doch die Behandlung hat das Problem nicht gelöst.
  • Sie bemerken Tunnel oder Kanäle unter der Haut, aus denen Flüssigkeit oder Eiter austritt.
  • Sie haben Vernarbungen in Hautfaltenbereichen, die sich im Lauf der Zeit zu verschlechtern scheinen.
  • Ihre Symptome beeinträchtigen Ihren Alltag, Ihre Arbeitsfähigkeit, Ihre Beziehungen oder Ihre psychische Gesundheit.

Sie müssen nicht warten, bis die Erkrankung schwer verläuft, um eine Diagnose zu suchen. Eine frühere Diagnose und Behandlung können das Fortschreiten verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.

Was Sie beim Termin erwartet

Ein Dermatologe kann Acne inversa in der Regel anhand einer klinischen Untersuchung und einer ausführlichen Symptomanamnese diagnostizieren. Es gibt keinen einzelnen Bluttest oder eine Biopsie, die die Diagnose bestätigen – sie beruht auf dem Muster wiederkehrender entzündlicher Läsionen an typischen Lokalisationen. Es kann sehr hilfreich sein, eine Aufzeichnung Ihres bisherigen Schubverlaufs mitzubringen, einschließlich der Stellen, an denen Läsionen auftreten, und wie oft sie wiederkehren.

Leben mit Acne inversa

Eine Diagnose zu erhalten, kann sowohl schwierig als auch erleichternd sein. Viele Patienten beschreiben ein Gefühl der Erleichterung, endlich einen Namen für das zu haben, was sie erlebt haben – auch wenn sie sich gleichzeitig mit dem chronischen Charakter der Erkrankung auseinandersetzen müssen.

Derzeit gibt es keine Heilung für Acne inversa, aber es gibt Behandlungen, die die Schubhäufigkeit reduzieren, Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern können. Sie reichen von topischen und systemischen Medikamenten über Biologika-Therapien bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Behandlungspläne sind sehr individuell und werden am besten in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Dermatologen entwickelt.

Über die medizinische Behandlung hinaus stellen viele Menschen mit Acne inversa fest, dass Strategien zur Wundversorgung, die Wahl der Kleidung, Anpassungen des Lebensstils und psychische Unterstützung im täglichen Umgang mit der Erkrankung eine wichtige Rolle spielen. Sie sind damit nicht allein – und Sie müssen es nicht ohne Hilfe bewältigen.

Häufige Fragen

Ist Acne inversa dasselbe wie Hidradenitis suppurativa?

Ja. Acne inversa und Hidradenitis suppurativa (HS) sind zwei Bezeichnungen für dieselbe chronisch-entzündliche Hauterkrankung. In der europäischen Dermatologie ist Acne inversa gebräuchlich, in der internationalen Fachliteratur überwiegt Hidradenitis suppurativa.

Ist Acne inversa ansteckend?

Nein. Acne inversa ist nicht ansteckend und wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht. Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung mit genetischen, immunologischen und umweltbedingten Komponenten.

An welchen Körperstellen tritt Acne inversa am häufigsten auf?

Typische Lokalisationen sind Achselhöhlen, Leistengegend, Innenseiten der Oberschenkel, unter der Brust, Gesäß und perianaler Bereich sowie der Unterbauch – also Bereiche, in denen Hautfalten aneinander reiben.

Was sind die Hurley-Stadien?

Das Hurley-System teilt Acne inversa in drei Schweregrade ein: Stadium I (einzelne Abszesse ohne Fistelgänge), Stadium II (wiederkehrende Abszesse mit beginnender Fistel- und Narbenbildung) und Stadium III (ausgedehnte, miteinander verbundene Fistelgänge mit starker Vernarbung).

Wann sollte ich wegen Acne inversa zum Arzt gehen?

Suchen Sie einen Dermatologen auf, wenn schmerzhafte Knoten in Hautfaltenbereichen wiederholt an denselben Stellen auftreten, vermeintliche Furunkel nicht abheilen oder Tunnel und Narben sichtbar werden. Eine frühe Diagnose kann das Fortschreiten verlangsamen.

Quellen

  1. Europäische S1-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/Acne inversa Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2015
  2. Hidradenitis suppurativa: Fortschritte in Diagnostik und Therapie JAMA, 2017
  3. Axillary hyperhidrosis, apocrine bromhidrosis, hidradenitis suppurativa, and familial benign pemphigus: surgical approach. In: Dermatologic Surgery Marcel Dekker, 1989
  4. Populationsbasierte Studie auf Grundlage der Clinical Practice Research Datalink mit algorithmischer Modellierung zur Erfassung der tatsächlichen Krankheitslast der Hidradenitis suppurativa British Journal of Dermatology, 2018
  5. Entwicklung und Validierung des International Hidradenitis Suppurativa Severity Score System (IHS4) British Journal of Dermatology, 2017
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Diagnose

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