# Antibiotika bei Acne Inversa: Warum sie eingesetzt werden und was Sie wissen sollten

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Language: de
Category: Treatments
Published: 2026-09-07
Last updated: 2026-09-07
Last editorially reviewed: 2026-09-07
Next scheduled review: 2027-09-07
Evidence strength: Moderate Evidenz — Durch übereinstimmende Beobachtungsstudien oder kleinere Studien gestützt.
Author: Dr. rer. nat. Dennis Alexander Kwiatkowski (Biochemist, Scientific Writer and Pharma Expert)
Scientific editor: Dr. rer. nat. Dennis Alexander Kwiatkowski
Reviewer qualifications: Biochemist, Scientific Writer and Pharma Expert
Review scope: Fachliteratur, Leitlinien, Quellen und redaktionelle Verständlichkeit
Clinical reviewer: Keine unabhängige ärztliche Prüfung
Tags: Acne Inversa, Hidradenitis Suppurativa, HS, Treatments, antibiotika, doxycyclin, tetracycline, clindamycin, rifampicin, antibiotikaresistenz, behandlungsdauer, stewardship

> HS ist keine klassische bakterielle Infektion – trotzdem gehören Antibiotika zu den häufigsten Behandlungen. Warum das kein Widerspruch ist, wie Doxycyclin, Clindamycin und Rifampicin tatsächlich eingesetzt werden, und warum Antibiotikaresistenz ein eigenes Gespräch verdient.

Medical disclaimer: Diese Website dient nur der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte wenden Sie sich bei Beschwerden oder Therapiefragen an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.

## In 60 Sekunden

- HS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, keine primär bakterielle Infektion – Antibiotika wirken oft entzündungshemmend und antibakteriell zugleich.
- Systemische Antibiotika-Strategien bei HS laufen oft rund 12 Wochen – deutlich länger als bei einer akuten Infektion üblich.
- Im größten Vergleich zeigten Tetracycline und Clindamycin/Rifampicin nach 12 Wochen ähnliche Ansprechraten (40,1 % vs. 48,2 % HiSCR).
- Antibiotika reduzieren die Entzündungsaktivität; sie lösen etablierte Fistelgänge oder Narbengewebe nicht zuverlässig auf.
- Lange oder wiederholte Antibiotikakurse können zu Antibiotikaresistenz beitragen – aktuelle europäische Leitlinien behandeln das ausdrücklich als reales Stewardship-Thema, nicht als Randnotiz.

**Was das bedeutet:** Ein verordnetes Antibiotikum bedeutet nicht, dass eine unbehandelte Infektion vorliegt. Es bedeutet meist eine geplante entzündungshemmende und/oder antibakterielle Strategie für einen festgelegten Zeitraum, mit vorgesehener Überprüfung.

**Was noch unsicher ist:** Wie viel des Nutzens auf Entzündungshemmung und wie viel auf die Wirkung gegen Bakterien zurückgeht, ist nicht abschließend geklärt. Resistenzraten in HS-Läsionen schwanken stark zwischen Studien.

**Was Sie als Nächstes tun können:** Fragen Sie vor Beginn oder Wiederholung eines Kurses, was das Ziel ist, wie lange er läuft, und was folgt, falls er nicht ausreicht.

## Article

„Wir versuchen es drei Monate mit Doxycyclin." Für viele Menschen mit einer frischen HS-Diagnose ist das der Moment, in dem die Erkrankung aufhört, Sinn zu ergeben. HS entsteht nicht durch mangelnde Hygiene. Sie ist nicht ansteckend. Bakterien gelten nicht als die zugrunde liegende Ursache. Warum beginnt die Behandlung dann so oft mit einem Antibiotikum – und warum läuft sie über Monate statt der ein bis zwei Wochen, die man mit dem Abklingen einer Infektion verbindet?

Die kurze Antwort: Antibiotika erfüllen bei HS selten nur eine einzige Aufgabe. Mehrere der bei HS eingesetzten Antibiotika haben eine echte entzündungshemmende Wirkung, unabhängig von ihrer Fähigkeit, gegen Bakterien vorzugehen – und genau diese entzündungshemmende Wirkung ist ein wesentlicher Grund, warum sie bei einer chronisch-entzündlichen Erkrankung verordnet werden. Bakterien können trotzdem eine Rolle spielen – HS-Läsionen und Fistelgänge können eine komplexe Bakteriengemeinschaft beherbergen, und Sekundärinfektionen kommen vor –, aber „Sie bekommen ein Antibiotikum" heißt nicht „Ihre Dermatologin oder Ihr Dermatologe hält das im Kern für eine Infektion".

> **Nur zu Bildungszwecken.** Dieser Artikel erklärt die bei HS gängigen Antibiotika-Strategien und die Evidenz dahinter. Er empfiehlt kein bestimmtes Antibiotikum, keine Dosis und keine Dauer für Ihre individuelle Situation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Beginnen, beenden oder verändern Sie einen verordneten Antibiotikakurs niemals aufgrund dieser Seite.

## Das Wichtigste in Kürze

- HS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Haarfollikels, keine primär bakterielle Infektion – dennoch sind manche Antibiotika sinnvoll, weil sie sowohl entzündungshemmend als auch antibakteriell wirken.
- Systemische Antibiotika-Strategien (Tetracycline; Clindamycin plus Rifampicin) laufen typischerweise rund 12 Wochen, bevor die Wirkung beurteilt wird. Diese Länge spiegelt den Behandlungsplan wider, nicht Monate unbehandelter Infektion.
- Der größte prospektive Vergleich fand insgesamt ähnliche 12-Wochen-Ansprechraten zwischen Tetracyclinen und Clindamycin/Rifampicin – die Kombination ist nicht automatisch die stärkere Wahl.
- Antibiotika können aktive Entzündung beruhigen; sie sollen keinen etablierten, epithelialisierten Fistelgang auflösen oder Narbengewebe entfernen.
- Lange oder wiederholte Antibiotikakurse haben einen realen Resistenz-Preis. Aktuelle europäische Leitlinien behandeln das ausdrücklich als Grund für einen bewussten, überprüften Behandlungsplan statt eines unbefristeten Rezepts.

## Warum werden bei HS Antibiotika eingesetzt, wenn es keine Infektion ist?

Antibiotika kommen bei HS zum Einsatz, weil mehrere von ihnen entzündungshemmende mit antibakterieller Wirkung verbinden – und HS im Kern eine entzündliche Erkrankung ist, die zusätzlich eine komplexe Bakteriengemeinschaft in ihren Läsionen und Fistelgängen beherbergen kann. Je nach Krankheitsaktivität greifen Behandelnde zu topischem Clindamycin, oralen Tetracyclinen wie Doxycyclin oder oralem Clindamycin plus Rifampicin – weniger um eine „Infektion abzutöten", sondern um die Entzündungsaktivität zu reduzieren, mit einem möglichen antimikrobiellen Effekt als zusätzlichem oder unterstützendem Nutzen.

Diese Einordnung ist wichtig, weil sie verändert, was eine sinnvolle Patientenfrage ist. „Wirkt das Antibiotikum?" ist eine faire Frage. „Heißt das, ich habe eine Infektion?" ist es meist nicht – und diese Annahme ist eine häufige Quelle unnötiger Sorge und unnötiger selbstgemachter Antiseptik-Routinen.

## Bedeutet Sekretion oder Eiter aus einer Läsion, dass sie infiziert ist?

Nicht automatisch. HS-Läsionen können sezernieren, eiterähnliches Material bilden und gerötet, geschwollen und druckschmerzhaft aussehen – allein als Merkmal der entzündlichen Erkrankung. Dieses Erscheinungsbild allein sagt nicht, ob bei einer bestimmten Läsion zusätzlich eine klinisch relevante bakterielle Infektion vorliegt. Sekundärinfektionen sind real und kommen vor, weshalb sich Aufmerksamkeit für spezifischere Merkmale lohnt: rasch ausbreitende Rötung, schnell zunehmender Schmerz oder Schwellung, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl oder eine Wunde, die sich deutlich anders verhält als sonst. Das sind Gründe für eine Abklärung – keine Gründe, allein aus dem Aussehen einer Läsion eine Infektion zu diagnostizieren oder stattdessen zu einer selbstgemachten Antiseptik-Routine zu greifen.

## Die wichtigsten Antibiotika-Strategien bei HS

Die konkrete Wahl hängt unter anderem davon ab, wie aktiv und ausgedehnt die Entzündung ist, welche Vorbehandlungen es gab, welche anderen Medikamente eingenommen werden, ob eine Schwangerschaft relevant ist, ob Allergien bestehen und was die Behandelnden konkret erreichen wollen. Grob lassen sich vier Kategorien unterscheiden, die in der HS-Versorgung vorkommen:

| Strategie | Typische Rolle | Wichtige Frage für den Termin |
|---|---|---|
| Topisches Clindamycin | Ausgewählte milde bis moderate entzündliche HS ohne Fistelgänge | Welche Läsionen sollen sich dadurch tatsächlich bessern? |
| Tetracycline (z. B. Doxycyclin) | Systemische Behandlung über milde bis schwere entzündliche HS hinweg | Wann überprüfen wir, ob es hilft? |
| Clindamycin + Rifampicin | Ausgewählte moderate bis schwere entzündliche HS | Welche Wechselwirkungen und Resistenzfragen sind hier relevant? |
| Spezialisierte Regime (kurzzeitiges i.v. Clindamycin, andere) | Ausgewählte schwere oder therapieresistente Erkrankung | Was ist der Plan nach diesem Kurs? |

Das ist keine Leiter zum eigenständigen Erklimmen – und bewusst ohne Spalte „am besten geeignet", denn wie die Evidenz unten zeigt, trägt diese Einordnung bei HS nicht besonders weit.

## Topisches Clindamycin

Topisches Clindamycin hat von allen topischen Antibiotika die längste und klarste HS-spezifische Studiengeschichte. Eine klassische doppelblinde Studie randomisierte 30 Patientinnen und Patienten mit HS auf topisches Clindamycin oder Placebo über drei Monate; 27 schlossen die Studie ab, und Clindamycin war insgesamt signifikant wirksamer als Placebo. Aufgeschlüsselt nach Läsionstyp zeigte sich der Vorteil gegenüber Placebo klar bei Pusteln und oberflächlicher Entzündung, während der Effekt auf tiefere entzündliche Knoten und Abszesse deutlich geringer ausfiel (Clemmensen, 1983). Diese Unterscheidung spiegelt sich bis heute im Einsatz wider: Topisches Clindamycin ist für mildere, eher oberflächliche entzündliche Erkrankung ohne Fistelgänge positioniert – nicht als Mittel, um tiefe Abszesse oder etablierte Fistelgänge aufzulösen.

**Fragen für den Termin:** Welche Läsionen sollen sich dadurch verbessern? Wie lange und wie oft sollte ich es anwenden? Ab welcher Reizung sollte ich absetzen?

## Tetracycline, einschließlich Doxycyclin

Tetracycline – Doxycyclin ist der bekannteste Name, auch wenn je nach Land und Praxis Lymecyclin, Minocyclin oder klassisches Tetracyclin eingesetzt werden – gehören zu den häufigsten systemischen Antibiotika-Strategien bei HS. Ein Grund dafür ist die echte entzündungshemmende Eigenschaft dieser Wirkstoffgruppe zusätzlich zur antibakteriellen Wirkung – das macht sie plausibel als Behandlung einer Erkrankung, die im Kern entzündlich und nicht infektiös ist.

Im bisher größten prospektiven Vergleich – einer europäischen Kohortenstudie mit 283 Patientinnen und Patienten, behandelt entweder mit Tetracyclinen oder mit Clindamycin/Rifampicin – zeigten beide Gruppen nach 12 Wochen eine statistisch signifikante Reduktion des Schweregrads (gemessen mit dem IHS4-Score). Unter Tetracyclinen erreichten 40,1 % HiSCR, eine validierte Schwelle für klinisches Ansprechen (van Straalen et al., 2021). Das ist eine wirklich nützliche Zahl – in beide Richtungen: Sie zeigt, dass Tetracycline eine spürbare Besserung bewirken können, und sie zeigt, dass etwa sechs von zehn Patient:innen diese Ansprechschwelle innerhalb von 12 Wochen nicht erreichten. Genau deshalb zählt ein Überprüfungszeitpunkt mehr als blindes Durchhalten.

**Was ist HiSCR?** Die Abkürzung steht für Hidradenitis Suppurativa Clinical Response, ein Maß aus Forschung und klinischen Studien, das auf dem Zählen entzündlicher Läsionen vor und nach der Behandlung beruht. HiSCR ist kein Synonym für „geheilt", und es nicht zu erreichen bedeutet nicht, dass sich nichts gebessert hat – es ist eine Schwelle, um Studien vergleichbar zu machen, kein Urteil über die individuelle Behandlung.

## Clindamycin plus Rifampicin

Orales Clindamycin in Kombination mit Rifampicin (in den USA als Rifampin bezeichnet) ist eine seit Langem etablierte HS-Behandlungsoption, die im Allgemeinen für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit moderater bis schwerer entzündlicher Erkrankung erwogen wird.

**Ist es stärker als Tetracycline?** Genau hier liegen viele informelle „Behandlungsleitern" falsch. In derselben oben genannten Kohortenstudie mit 283 Patient:innen erreichte Clindamycin/Rifampicin nach 12 Wochen bei 48,2 % HiSCR, verglichen mit 40,1 % unter Tetracyclinen – ein Unterschied, den die Autor:innen als statistisch nicht signifikant einstuften (P = ,26) (van Straalen et al., 2021). Eine Studie aus dem Jahr 2023, die Adalimumab in Kombination mit Clindamycin/Rifampicin gegen Adalimumab allein verglich, fand bei der Kombination signifikant bessere Ergebnisse in mehreren Maßen, einschließlich einer stärkeren Reduktion von Fistelgängen – das ist aber ein anderer Vergleich (Zusatz zu einem Biologikum, nicht direkt gegen Tetracycline) und eine retrospektive, gematchte Kohortenstudie, keine randomisierte Studie (Aarts et al., 2023). Keine der beiden Studien stützt die Vorstellung, Clindamycin/Rifampicin sei einfach eine „stärkere" Version der Tetracyclin-Behandlung; es handelt sich um eine andere Kombination mit einem anderen Verträglichkeits- und Wechselwirkungsprofil, die für teils andere klinische Situationen erwogen wird.

**Das Wechselwirkungsprofil von Rifampicin verdient echte Aufmerksamkeit.** Rifampicin induziert stark Leberenzyme, die viele andere Medikamente verstoffwechseln, was unter anderem die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel verringern kann – siehe unseren [Leitfaden zu Verhütung und HS](/de/blog/acne-inversa-verhuetung-hormone/) für diese konkrete Wechselwirkung. Zudem verursacht es eine harmlose, aber mitunter beunruhigende orange-rote Verfärbung von Urin, Schweiß, Speichel und Tränenflüssigkeit und kann weiche Kontaktlinsen verfärben. Stellen Sie sicher, dass die verordnende Person Ihre vollständige Medikamentenliste kennt, einschließlich hormoneller Verhütung und Nahrungsergänzungsmittel.

**Eine eigene Vorsicht gilt für Clindamycin:** Clindamycin (topisch oder oral) ist mit Magen-Darm-Nebenwirkungen assoziiert und – besonders relevant – mit einer Infektion durch *Clostridioides difficile*, die schweren Durchfall und eine Kolitis verursachen kann. Deutlicher oder anhaltender Durchfall unter Clindamycin ist ein Grund, Ihr Behandlungsteam zu kontaktieren, nicht abzuwarten.

## Weitere, spezialisierte Regime

Europäische HS-Leitlinien beschreiben auch andere systemische Strategien – eine kurze, etwa fünftägige intravenöse Clindamycin-Gabe, um die Gesamtdauer der Antibiotikatherapie zu verkürzen, sowie Kombinationen mit Wirkstoffen wie Moxifloxacin oder Metronidazol für ausgewählte schwere oder therapieresistente Erkrankungsverläufe (Zouboulis et al., 2025). Diese gehören in die spezialisierte Entscheidungsfindung, nicht in ein allgemeines Patientenmenü: Dass sie in einer Leitlinie erwähnt werden, macht sie nicht zu Routineoptionen, und mehrere davon dienen typischerweise als Brücke zu einem anderen Behandlungsansatz – einem Biologikum, einem Verfahren oder einer Operation – statt als eigenständiger Langzeitplan.

## Können Antibiotika Fistelgänge beseitigen?

Nicht zuverlässig, und diese Abgrenzung ist wichtig. Antibiotika wirken – wie die meisten HS-Medikamente – vor allem, indem sie die Entzündungsaktivität reduzieren. Ein etablierter, epithelialisierter und fibrosierter Fistelgang ist eine strukturelle Veränderung der Haut, nicht einfach „mehr Entzündung", und es gibt keine gute Evidenz dafür, dass eine Antibiotikabehandlung diese Struktur beseitigt. Medikamente können die Entzündung rund um einen Fistelgang beruhigen; den Fistelgang selbst können sie in der Regel nicht rückgängig machen. Das ist ein wesentlicher Grund, warum die moderne HS-Versorgung zunehmend zwischen aktiver entzündlicher Erkrankung (bei der medizinische Behandlung der Haupthebel ist) und struktureller Erkrankung wie Fistelgängen und Narben (bei der Verfahren oder Operationen das relevante Gespräch werden) unterscheidet – mehr dazu in unserem Leitfaden zu [HS-Narben](/de/blog/acne-inversa-narben/) und im [Acne-Inversa-OP-Planer](/de/acne-inversa-op-planer/).

## Warum Antibiotikaresistenz ein eigenes Gespräch verdient

Das ist der Teil, den allgemeine „Welches Antibiotikum bei HS"-Artikel meist auslassen – und der sollte nicht ausgelassen werden.

**Was Resistenz eigentlich bedeutet:** Antibiotikaexposition erzeugt einen Selektionsdruck, der Bakterien begünstigt, die sie überleben können. Diese Bakterien – nicht der Mensch selbst – werden resistent und können dadurch tatsächlich schwerer zu behandeln sein, sowohl bei der betroffenen Person als auch potenziell bei anderen. Die aktuelle europäische S2k-Leitlinie zu HS enthält einen eigenen Abschnitt zur bakteriellen Resistenz unter langfristiger Antibiotikatherapie und stellt klar fest, dass jedes Antibiotikum Resistenzen im Mikrobiom einer Person selektieren kann – ausdrücklich hervorgehoben, weil Antibiotikakurse von rund 10 bis 12 Wochen bei HS so verbreitet sind (Zouboulis et al., 2025).

**Wurden tatsächlich Resistenzen in HS-Läsionen gefunden?** Ja, wobei die Zahlen je nach Studie, untersuchter Population, Bakterienart und Art der Probenentnahme erheblich schwanken – genau deshalb liefert dieser Artikel keine einzelne erschreckende Prozentzahl. Eine 2024 veröffentlichte Querschnittsstudie an 103 HS-Patient:innen fand substanzielle Resistenzen unter den kultivierten Erregern, darunter Clindamycin-Resistenz bei 61,5 % der anaeroben Isolate (Koumaki et al., 2024). Eine genomische und phänotypische Studie aus dem Jahr 2025 zu Bakterien aus HS-Läsionen identifizierte Resistenzgene gegen Methicillin und Makrolide zusammen mit einer ausgeprägten Fähigkeit zur Biofilmbildung bei mehreren Spezies (Cucu et al., 2025) – Biofilme sind mit ein struktureller Grund, warum Antibiotika chronische Fistelgänge oft kaum erreichen. Eine neuere Studie aus dem Jahr 2026 mit 123 Patient:innen fand demgegenüber insgesamt deutlich niedrigere Resistenzraten: Clindamycin-Resistenz zeigte sich dort bei rund 30 % der Isolate ohne Hautflora-Zuordnung, nicht bei der Mehrheit (Mentesoglu & Kartal, 2026). Zusammengenommen stützen diese Studien eine gesicherte Schlussfolgerung – Resistenz bei HS-assoziierten Bakterien ist ein reales, dokumentiertes Phänomen – und eine wichtige Einschränkung: Es gibt keine einzelne, allgemeingültige Zahl „X % von HS sind resistent", weshalb jede Quelle (auch diese hier), die Ihnen eine einzige Zahl präsentiert, mit Skepsis zu betrachten ist.

Nichts davon ist ein Argument gegen den Einsatz von Antibiotika bei HS. Es ist ein Argument dafür, sie bewusst einzusetzen – mit einem klaren Ziel und einem tatsächlichen Überprüfungstermin, statt als unbefristete Standardlösung.

## Fragen, die sich bei jedem Antibiotikakurs lohnen

1. Was genau wollen wir mit diesem Antibiotikum erreichen?
2. Wie lange ist der geplante Kurs, und warum diese Länge?
3. Wann beurteilen wir, ob es ausreichend geholfen hat, und woran machen wir das fest?
4. Welche Nebenwirkungen oder Symptome sollten mich veranlassen, Sie zu kontaktieren?
5. Interagiert dieses Antibiotikum mit meinen anderen Medikamenten oder meiner Verhütung?
6. Welche Rolle spielt Antibiotikaresistenz bei dieser konkreten Entscheidung?
7. Was ist der Plan, falls die Beschwerden nach dem Absetzen zurückkehren?
8. Wie viele ähnliche Kurse hatte ich bereits, und ändert das etwas an der Herangehensweise?
9. Habe ich Fistelgänge oder Vernarbungen, die dieses Antibiotikum allein nicht lösen wird?
10. Ab welchem Punkt würden wir eine andere Behandlungsklasse erwägen – ein Biologikum, ein Verfahren oder eine Operation?

## Sollte jede HS-Läsion vor Antibiotikagabe abgestrichen werden?

Es gibt keine pauschale Pflicht, jede HS-Läsion vor einer HS-gerichteten Antibiotikabehandlung abzustreichen – unter anderem, weil Antibiotika so oft wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt werden und nicht, um einen einzelnen identifizierten Erreger zu behandeln. Ein Abstrich wird in bestimmten Situationen klinisch relevanter: bei Verdacht auf eine Sekundärinfektion, einen ungewöhnlichen oder wiederkehrenden Erreger, oder wenn eine Behandlung nicht wie erwartet wirkt und resistente Bakterien eine reale Möglichkeit darstellen. Das ist eine Entscheidung Ihrer Behandelnden anhand des konkreten klinischen Bilds – nichts, was reflexartig eingefordert oder, falls ein Ergebnis vorliegt, eigenständig interpretiert werden sollte.

## Antibiotika neben einer Biologika-Behandlung

Antibiotika und Biologika schließen sich nicht gegenseitig aus. Eine retrospektive, gematchte Kohortenstudie aus dem Jahr 2023 verglich Adalimumab allein begonnen mit Adalimumab, das zusammen mit Clindamycin und Rifampicin begonnen wurde, und fand nach 12 Wochen in der Kombinationsgruppe signifikant bessere Ergebnisse in mehreren Maßen – darunter eine stärkere Reduktion des Schweregrads (IHS4) und, bemerkenswert, eine stärkere Reduktion der Fistelgänge, einem Bereich, in dem Adalimumab allein häufig unzureichend wirkt (Aarts et al., 2023). Das ist ein wirklich interessanter Befund und relevant, wenn Sie ein Biologikum beginnen – es handelt sich aber um eine einzelne retrospektive Studie zu einer bestimmten Wirkstoffkombination (konkret Adalimumab), nicht um eine allgemeine Anweisung, dass alle, die ein Biologikum beginnen, auch Antibiotika nehmen sollten. Ob das für Sie relevant ist, gehört in das Gespräch mit denjenigen, die Ihre Biologika-Behandlung betreuen.

## Ein Hinweis zur Schwangerschaft

Die Antibiotikawahl ändert sich in der Schwangerschaft – Tetracycline etwa werden während der Schwangerschaft wegen möglicher Effekte auf die Knochen- und Zahnentwicklung des Fötus nicht eingesetzt, und andere bei HS verwendete Antibiotika haben eigene Überlegungen zu Schwangerschaft und Stillzeit, die sich nicht von einem Wirkstoff auf den nächsten übertragen lassen. Ist eine Schwangerschaft möglich oder geplant, sprechen Sie das vor Beginn eines Antibiotikakurses an, nicht danach. Mehr dazu in [HS, Schwangerschaft & Kinderwunsch](/de/hs-schwangerschaft-kinderwunsch/).

## Aus einem Kurs etwas machen, das sich tatsächlich überprüfen lässt

Wenn Sie den Symptom-Tracker nutzen, gibt Ihnen ein Behandlungs-Checkpoint zu Beginn eines Antibiotikakurses mehr als nur die Erinnerung „ich glaube, es hat geholfen". Wenn Sie dieselben Symptome erfassen, die Sie ohnehin verfolgen – Schmerz, Sekretion, Schub-Tage, Schlaf –, können Sie den Zeitraum davor und danach bei der Überprüfung nebeneinanderlegen, ohne dass das Tool je bewertet, ob die Behandlung „gewirkt" hat. Diese Einschätzung bleibt bei Ihnen und Ihrer Behandlerin oder Ihrem Behandler; das Tool hält nur die Aufzeichnung ehrlich.

[Behandlungs-Checkpoint anlegen →](/de/symptom-tracker/treatment-checkpoints/)

## Wann Sie Ihr Behandlungsteam früher als zur Routinekontrolle kontaktieren sollten

- Verdacht auf eine bedeutsame Reaktion auf das Medikament
- Schwerer oder anhaltender Durchfall, besonders unter Clindamycin
- Rasch verschlechternde Hautsymptome oder eine Wunde, die sich deutlich anders verhält als sonst
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl
- Jedes andere Symptom, bei dem Sie ausdrücklich gebeten wurden, darauf zu achten

Das vollständige Bild dazu, was dringend statt routinemäßig kontaktiert werden sollte, finden Sie unter [Wann ärztliche Hilfe bei HS nötig ist](/de/wann-aerztliche-hilfe-acne-inversa/).

## Fazit

Antibiotika sind ein wirklich wichtiger Teil der HS-Behandlung, aber der Grund, warum sie wirken, ist vielschichtiger als „HS ist eine bakterielle Infektion". Mehrere wirken sowohl auf die Entzündung als auch auf Bakterien, Kurse laufen häufig über rund 12 Wochen statt Tage, und das Ansprechen ist real, aber alles andere als universell – in der besten verfügbaren Vergleichsevidenz erreichen etwa vier von zehn Patient:innen unter Tetracyclinen eine formale klinische Ansprechschwelle, unter Clindamycin/Rifampicin knapp die Hälfte. Antibiotika können aktive entzündliche Erkrankung spürbar beruhigen. Sie sollen keinen etablierten Fistelgang auflösen, und sie heilen HS nicht. Und weil wiederholte oder lang andauernde Antibiotikaexposition einen realen Resistenz-Preis hat, lohnt sich mit Ihrer Dermatologin oder Ihrem Dermatologen nicht nur das Gespräch „welches Antibiotikum" – sondern wofür dieser konkrete Kurs steht, wie lange er laufen wird, und was als Nächstes passiert, falls er nicht ausreicht.

**Wählen Sie den nächsten Schritt:**

- Auf ein Behandlungsgespräch vorbereiten → [Behandlungsgespräch vorbereiten](/de/hs-behandlungsgespraech-vorbereiten/)
- Das gesamte Spektrum der HS-Behandlungen ansehen → [Behandlungsoptionen](/de/hub/behandlungsoptionen/)
- Wiederholte Eingriffe oder anhaltende Fistelgänge → [Acne-Inversa-OP-Planer](/de/acne-inversa-op-planer/)
- Verfolgen, wie ein Kurs tatsächlich verläuft → [Behandlungs-Checkpoints](/de/symptom-tracker/treatment-checkpoints/)

## FAQ

### Warum verschreiben Ärztinnen und Ärzte Antibiotika bei HS, wenn es keine Infektion ist?

Weil manche Antibiotika, insbesondere Tetracycline, neben ihrer Wirkung gegen Bakterien auch entzündungshemmende Eigenschaften haben. HS-Läsionen können zudem eine komplexe Bakteriengemeinschaft beherbergen, und gelegentlich kommt eine Sekundärinfektion hinzu – daher kann auch ein antimikrobieller Effekt eine Rolle spielen. Aktuelle europäische HS-Leitlinien erkennen ausdrücklich beide Wirkmechanismen an, statt Antibiotika als Beweis für eine Infektion zu werten.

### Wie lange werden Antibiotika bei HS normalerweise eingenommen?

Systemische Strategien wie Tetracycline oder Clindamycin plus Rifampicin werden häufig über rund 12 Wochen eingesetzt, bevor das Ansprechen beurteilt wird – deutlich länger als die kurzen Kurse bei einer akuten Infektion. Das spiegelt eine geplante Behandlungsstrategie für eine chronisch-entzündliche Erkrankung wider, nicht Monate einer unbehandelten Infektion.

### Wird Doxycyclin bei Akne Inversa eingesetzt?

Ja. Doxycyclin gehört zur Gruppe der Tetracycline, die häufig als systemische Behandlung entzündlicher HS eingesetzt wird und im größten bisherigen prospektiven Vergleich eine insgesamt ähnliche Wirksamkeit wie Clindamycin plus Rifampicin zeigte.

### Ist Clindamycin plus Rifampicin stärker als Doxycyclin oder andere Tetracycline?

Das ist nicht belegt. In einer prospektiven europäischen Kohorte mit 283 Patientinnen und Patienten lag die 12-Wochen-HiSCR-Ansprechrate bei 40,1 % unter Tetracyclinen und bei 48,2 % unter Clindamycin/Rifampicin – ein Unterschied, der statistisch nicht signifikant war. Die Kombination automatisch als „stärkeren“ nächsten Schritt zu betrachten, vereinfacht die Evidenz zu stark.

### Können Antibiotika Akne Inversa heilen?

Nein. HS ist eine chronische Erkrankung ohne Heilung. Antibiotika können die Entzündungsaktivität bei manchen Menschen für eine gewisse Zeit spürbar reduzieren, beseitigen aber nicht den zugrunde liegenden Krankheitsprozess.

### Können Antibiotika HS-Fistelgänge beseitigen?

Nicht zuverlässig. Antibiotika können die Entzündung rund um aktive Erkrankungsherde reduzieren, aber ein etablierter, epithelialisierter Fistelgang ist eine strukturelle Veränderung der Haut. Anhaltende Fistelgänge sind in der Regel eine Frage für die chirurgische oder verfahrensbezogene Abklärung, nicht etwas, das ein Antibiotikakurs auflösen soll.

### Bedeutet Sekretion oder Eiter aus einer HS-Läsion, dass ich Antibiotika brauche?

Nicht automatisch. HS kann Sekretion und eiterähnliches Material allein durch die entzündliche Erkrankung hervorbringen, ohne dass jede Episode eine behandlungsbedürftige bakterielle Infektion darstellt. Rasch ausbreitende Rötung, Fieber oder eine Wunde, die sich deutlich anders verhält als sonst, sind spezifischere Gründe für eine ärztliche Abklärung.

### Kann wiederholter Antibiotikaeinsatz bei HS zu Resistenzen führen?

Jede Antibiotikaexposition kann resistente Bakterien begünstigen, und aktuelle europäische HS-Leitlinien benennen Antibiotikaresistenz ausdrücklich als Anliegen bei langfristiger Antibiotikatherapie. Das bedeutet nicht, dass Antibiotika nicht eingesetzt werden sollten – es bedeutet, dass jeder Kurs ein klares Ziel, eine festgelegte Dauer und einen Überprüfungszeitpunkt verdient.

### Sollte jede HS-Läsion vor Antibiotikagabe abgestrichen werden?

Nein. Es gibt keine pauschale Regel, jede Läsion vor einer HS-gerichteten Antibiotikabehandlung abzustreichen – auch weil Antibiotika oft wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt werden und nicht, um einen einzelnen identifizierten Erreger zu behandeln. Ein Abstrich wird relevanter, wenn konkret eine Sekundärinfektion, ein ungewöhnlicher Erreger oder ein resistenzbedingtes Therapieversagen vermutet wird.

### Was sollte ich fragen, wenn ich bereits mehrere Antibiotikakurse bei HS hatte?

Fragen Sie nach der längerfristigen Behandlungsstrategie, wie dieser Kurs bewertet wird, wie viele ähnliche Kurse Sie bereits hatten, und ab wann eine andere Behandlungsklasse – etwa ein Biologikum oder ein operatives Verfahren – stattdessen infrage kommen könnte.

## References

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