Acne Inversa, GdB und Schwerbehinderung: Was in Deutschland zählt Canonical URL: https://www.acneinversa.life/de/blog/acne-inversa-gdb-schwerbehinderung/ Markdown URL: https://www.acneinversa.life/de/blog/acne-inversa-gdb-schwerbehinderung.md Plain text URL: https://www.acneinversa.life/de/blog/acne-inversa-gdb-schwerbehinderung.txt Language: de Category: Doctor Visits Published: 2026-09-05 Last updated: 2026-09-05 Last editorially reviewed: 2026-09-05 Next scheduled review: 2027-03-05 Author: Dr. rer. nat. Dennis Alexander Kwiatkowski (Biochemiker, Wissenschaftsautor und Pharma-Experte) Scientific editor: Dr. rer. nat. Dennis Alexander Kwiatkowski Reviewer qualifications: Biochemiker, Wissenschaftsautor und Pharma-Experte Review scope: Fachliteratur, Leitlinien, Quellen und redaktionelle Verständlichkeit Clinical reviewer: Keine unabhängige ärztliche Prüfung Tags: Acne Inversa, Hidradenitis Suppurativa, HS, Doctor Visits, Grad der Behinderung, Schwerbehinderung, Gleichstellung, Versorgungsamt, Versorgungsmedizin-Verordnung, Schwerbehindertenausweis Es gibt keinen automatischen Grad der Behinderung für Acne inversa. Dieser Leitfaden erklärt, wie die deutsche Begutachtung tatsächlich funktioniert, was die Versorgungsmedizin-Verordnung zu Hauterkrankungen sagt und welche Unterlagen einen Antrag realistisch vorbereiten. Medical disclaimer: Diese Website dient nur der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte wenden Sie sich bei Beschwerden oder Therapiefragen an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. In 60 Sekunden - Es gibt keinen automatischen GdB für Acne inversa – die Diagnose allein legt keine Zahl fest. - Ein Hurley-Stadium lässt sich nicht in einen GdB umrechnen. Beide Konzepte messen unterschiedliche Dinge. - Die zuständige Behörde bewertet die langfristige Teilhabebeeinträchtigung, nicht allein den Befund. - Ab GdB 50 gilt Schwerbehinderung; bei GdB 30 oder 40 kann eine Gleichstellung im Arbeitsleben infrage kommen. - Mehrere Diagnosen werden nicht einfach addiert – die Behörde bewertet das Gesamtbild. Was das bedeutet: Der Antrag entscheidet sich meist nicht an der Diagnose, sondern daran, wie konkret und nachvollziehbar Schmerz, Sekretion, Vernarbung, Operationen und Alltagseinschränkungen dokumentiert sind. Was noch unsicher ist: Wie die zuständige Behörde einen Einzelfall bewertet, kann diese Website nicht vorhersagen. Aktuelle Wortlaute und Fristen sollten Sie über die amtlichen Quellen selbst prüfen. Was Sie als Nächstes tun können: Beginnen Sie mit der Dokumentation Ihrer Arbeitsauswirkungen – bevor Sie einen Antrag stellen. Article Hinweis vor dem Lesen. Dieser Artikel erklärt das deutsche Behinderungsrecht in allgemeiner, verständlicher Form. Er ersetzt keine individuelle sozialrechtliche oder rechtliche Beratung und sagt Ihnen keinen Grad der Behinderung voraus. Über einen GdB entscheidet ausschließlich die zuständige Behörde im Einzelfall – nach Prüfung der eingereichten medizinischen Unterlagen. Zuletzt aktualisiert: 5. September 2026. Acne inversa (medizinisch: Hidradenitis suppurativa, HS) kann weit mehr als nur die Haut betreffen. Schmerzen, wiederkehrende Sekretion, offene Wunden, Operationen, Narben und eingeschränkte Beweglichkeit können sich auf Arbeit, Mobilität, Selbstversorgung und die Teilhabe am Alltag auswirken. In Deutschland lassen sich solche langfristigen gesundheitlichen Einschränkungen unter bestimmten Voraussetzungen über einen Grad der Behinderung (GdB) amtlich feststellen. Für Acne inversa gibt es dabei aber keinen automatischen GdB. Eine Diagnose erzeugt für sich genommen keine bestimmte Zahl, und ein Hurley-Stadium lässt sich nicht einfach in einen GdB übersetzen. Das deutsche Begutachtungssystem fragt nach der tatsächlichen, langfristigen Auswirkung gesundheitlicher Beeinträchtigungen auf die Teilhabe. Gerade weil Acne inversa im Verlauf stark schwanken kann, kommt einer guten Dokumentation dabei besondere Bedeutung zu. Dieser Leitfaden erklärt, was der aktuelle rechtliche Rahmen vorsieht, was sich sinnvoll dokumentieren lässt und wie Sie sich auf einen möglichen Antrag vorbereiten können. Das Wichtigste in Kürze - Der GdB beschreibt in Deutschland das Ausmaß einer langfristigen Teilhabebeeinträchtigung. - Er ist kein Prozentwert dafür, „wie behindert" jemand ist, und misst nicht direkt die Arbeitsfähigkeit. - Ein GdB von mindestens 50 begründet eine Schwerbehinderung im rechtlichen Sinn. - Menschen mit GdB 30 oder 40 können unter bestimmten Voraussetzungen eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen für das Arbeitsleben beantragen. - Es gibt keinen automatischen GdB für Acne inversa. - Für Hauterkrankungen berücksichtigt die aktuelle Begutachtung unter anderem Ausdehnung, betroffene Körperstellen, Chronizität, Rezidivneigung sowie Begleitsymptome wie Nässen, Brennen oder Geruch. - Auch Narben können relevant sein, wenn sie die Beweglichkeit oder benachbarte Strukturen beeinträchtigen. - Rechnen Sie Ihr eigenes Hurley-Stadium nicht selbst in einen GdB um. - Gute Unterlagen beschreiben konkret, was Acne inversa im Alltag tatsächlich verhindert, einschränkt oder wiederholt erfordert. Was ist der Grad der Behinderung? Der Grad der Behinderung ist das deutsche verwaltungsrechtliche Maß dafür, wie stark eine oder mehrere langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft einschränken. Rechtlich ist eine Behinderung nach § 2 Abs. 1 SGB IX eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate andauert und die Teilhabe beeinträchtigt. Als Grad der Behinderung werden Zehnergrade von 20 bis 100 festgestellt (§ 152 Abs. 1 SGB IX); die zugrunde liegenden medizinischen Bewertungsmaßstäbe stehen in der Anlage zur Versorgungsmedizin-Verordnung. Ein GdB ist nicht dasselbe wie: - ein Prozentsatz des Gesundheitsverlusts, - eine Prozentzahl der Arbeitsunfähigkeit, - allein der Schweregrad der Erkrankung, - ein Anspruch auf eine bestimmte Leistung. Die eigentliche Frage lautet breiter: Wie stark und wie dauerhaft beeinträchtigen die gesundheitlichen Einschränkungen die Teilhabe am Alltag — nicht nur am Arbeitsleben, sondern in allen Lebensbereichen? Ab wann gilt jemand als schwerbehindert? Ein GdB von mindestens 50 erfüllt die gesetzliche Definition der Schwerbehinderung (§ 2 Abs. 2 SGB IX), sofern zusätzlich die Wohnsitz- beziehungsweise Aufenthaltsvoraussetzungen erfüllt sind. Ab GdB 50 kann ein Schwerbehindertenausweis bei der zuständigen Behörde beantragt werden (§ 152 SGB IX). Das ist etwas anderes als GdB 30 oder 40. Was ist eine Gleichstellung? Menschen mit einem GdB von 30 oder 40 können bei der Bundesagentur für Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen beantragen. Die zentralen Voraussetzungen dafür — ein GdB von mindestens 30, aber unter 50, und dass die Behinderung es ohne die Gleichstellung erschwert, einen geeigneten Arbeitsplatz zu erhalten oder zu behalten — legt § 2 Abs. 3 SGB IX fest. Diese Vorschrift verweist zusätzlich auf die übrigen Voraussetzungen des § 2 Abs. 2 SGB IX: Die Person muss ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder eine entsprechende Beschäftigung rechtmäßig in Deutschland haben. § 151 SGB IX regelt daneben vor allem den Anwendungsbereich und die verfahrensmäßige Umsetzung der Gleichstellung. Eine Gleichstellung kann bestimmte arbeitsrechtliche Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen mit sich bringen, etwa besonderen Kündigungsschutz und den Zugang zu Leistungen der Integrationsämter. Sie ist aber nicht mit jeder Regelung identisch, die für eine anerkannte Schwerbehinderung gilt — informieren Sie sich bei der Bundesagentur für Arbeit, welche Regelungen im Einzelnen zutreffen, bevor Sie mit bestimmten Ansprüchen planen. Eine Gleichstellung erfolgt nicht automatisch. Sie muss gesondert beantragt werden. Führt Acne inversa automatisch zu einem GdB? Nein. Es gibt keine Regel „HS-Diagnose = GdB X". Und es gibt keine gültige Umrechnungstabelle wie: | Hurley-Stadium | GdB | | I | 10 | | II | 30 | | III | 50 | Verwenden Sie eine solche Tabelle nicht. Sie existiert in dieser Form nicht offiziell, und sie würde die eigentliche Frage der Begutachtung falsch darstellen. Das Hurley-Stadium beschreibt strukturelle Merkmale der Erkrankung — Anzahl und Ausdehnung von Abszessen, Tunneln und Vernarbung. Der GdB bewertet die langfristige Teilhabebeeinträchtigung nach einem anderen Maßstab. Beide Konzepte können zusammenhängen, weil eine ausgedehntere Erkrankung häufiger mit stärkeren Einschränkungen einhergeht — austauschbar sind sie aber nicht. Was sagt die aktuelle Versorgungsmedizin-Verordnung zu Hauterkrankungen? Die Versorgungsmedizin-Verordnung enthält allgemeine Grundsätze für die Bewertung von Hauterkrankungen. Für die Bewertung sind unter anderem relevant: - die Art der Hauterkrankung, - die Ausdehnung, - die betroffenen Körperstellen, - Auswirkungen auf den Allgemeinzustand, - begleitende Symptome, - die Neigung zu Rezidiven, - die Chronizität, - wiederholt notwendige stationäre Behandlungen. Als Beispiele für relevante Begleitsymptome nennt die Verordnung unter anderem Juckreiz, Nässen, Brennen und unangenehmen beziehungsweise sozial belastenden Geruch. Diese Aufzählung passt auffällig gut zu Acne inversa, weil Sekretion, wiederkehrende Entzündung und Geruch dort einen erheblichen Teil der Krankheitslast ausmachen können. Die Verordnung berücksichtigt außerdem, dass stark schwankende Hauterkrankungen anhand ihres durchschnittlichen Verlaufs bewertet werden können, statt anhand eines einzelnen Zeitpunkts. Für Acne inversa ist das ein Grund mehr, warum eine längere Verlaufsdokumentation aussagekräftiger sein kann als ein einzelner Untersuchungstermin in einer eher ruhigen Woche. Wichtiger Hinweis zur Aktualität: Der genaue Wortlaut, die Abschnittsnummerierung und die dort genannten Orientierungswerte werden von Zeit zu Zeit angepasst. Prüfen Sie die aktuell geltende Fassung immer über die amtliche Quelle (https://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/anlage.html) selbst, statt sich allein auf eine Zusammenfassung — auf dieser Website oder anderswo — zu verlassen. Warum steht dort nicht einfach „Hidradenitis suppurativa"? Die Hauttabelle der Verordnung verwendet an mehreren Stellen ältere Bezeichnungen. Unter Abschnitt 17.3 finden sich unter anderem Acne conglobata sowie besonders schwere Formen, die dort historisch als „Acne triade" beziehungsweise „Acne tetrade" bezeichnet werden — Begriffe aus einer Zeit, bevor sich der heutige Name Hidradenitis suppurativa / Acne inversa durchgesetzt hatte. Die dort genannten Orientierungswerte sind gestaffelt: niedrigere Werte für begrenzte, örtlich beschränkte Abszess- und Fistelbildung, höhere Werte — bis hin zu deutlich über 50 — für die schwersten, wiederkehrenden, vernarbenden Formen an Achseln, Leisten und Nacken. Diese Orientierungswerte sollten Sie mit Vorsicht lesen: Sie sind kein automatisches Versprechen, dass eine bestimmte Person mit einem bestimmten klinischen Bild einen bestimmten GdB erhält. Die Verordnung selbst bezeichnet solche Angaben als Orientierungswerte, bei denen die Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden. Die vorsichtige Schlussfolgerung lautet: Die Verordnung enthält Hautkrankheitsmuster, die sich inhaltlich erheblich mit schwerer Acne inversa überschneiden — die zuständige Behörde bewertet aber weiterhin die tatsächlichen individuellen Beeinträchtigungen, nicht nur den Etikettennamen in der Tabelle. Welche Aspekte von Acne inversa lohnt es sich zu dokumentieren? Die hilfreichste Dokumentation ist konkret. Statt nur zu schreiben „meine Erkrankung ist schwer", beschreiben Sie, was tatsächlich passiert. 1. Betroffene Körperstellen Halten Sie fest, welche Bereiche betroffen sind oder waren: Achseln, Leisten, Genital- oder Dammbereich, Gesäß, unter der Brust, Bauchfalten und andere Stellen. Die Lokalisation ist wichtig, weil dieselbe Krankheitslast an unterschiedlichen Stellen ganz unterschiedliche funktionelle Folgen haben kann — eine Achselnarbe kann die Armbeweglichkeit einschränken, eine Läsion am Gesäß das Sitzen erschweren, eine Leistenläsion das Gehen. 2. Rezidive und Chronizität Notieren Sie, wie oft entzündliche Schübe auftreten, ob dieselben Bereiche immer wieder aktiv werden, wie lange einzelne Episoden dauern und ob zwischen den Schüben tatsächlich beschwerdefreie Phasen bestehen oder ob Sekretion auch dazwischen anhält. 3. Schmerz Dokumentieren Sie nicht nur eine Schmerzskala, sondern auch, was der Schmerz verändert. „Schmerzen in der linken Leiste haben mich vier Tage lang am normalen Gehen gehindert, und ich konnte nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren" gibt konkret etwas zum Prüfen — „Schmerz 7 von 10" allein weniger. 4. Sekretion und Wundversorgung Halten Sie praktische Folgen fest: Anzahl der Verbandwechsel, durchnässte Kleidung, Bedarf an zusätzlichem Verbandmaterial, Zugang zu einem ungestörten Raum, nächtliches Aufwachen wegen notwendiger Verbandwechsel. 5. Geruch Das ist unangenehm zu dokumentieren, kann aber relevant sein — die Verordnung nennt unangenehmen Geruch ausdrücklich als möglichen Bewertungsfaktor bei Hauterkrankungen. 6. Bewegungseinschränkungen Beispiele: erschwertes Gehen, Sitzen, Anheben eines Arms, Bücken, Treppensteigen, Autofahren, Radfahren oder normal Schlafen. 7. Narben Narben können mehr als kosmetisch relevant sein. Die Verordnung erwähnt Narben als eigenen Bewertungsfaktor, unter anderem in Abhängigkeit von Ausdehnung, Beschaffenheit, Narbenkontraktur, Lokalisation und Auswirkung auf benachbarte Strukturen. „Die Narbe in meiner Achsel verhindert, dass ich den rechten Arm vollständig heben kann" ist konkreter als „ich habe große Narben". Mehr zu diesem Thema in unserem Leitfaden zu Narben bei Acne inversa (/de/blog/acne-inversa-narben/). 8. Operationen und stationäre Behandlungen Bewahren Sie Operationsberichte, Entlassungsbriefe und Wundheilungsdokumentation auf. Wiederholt notwendige stationäre Behandlung ist ein ausdrücklich genannter Bewertungsfaktor. 9. Behandlungslast Relevant können außerdem sein: langfristige Behandlung, häufige Arzttermine, wiederholte Eingriffe und Nebenwirkungen, die selbst eine relevante Belastung darstellen. 10. Auswirkungen auf die Arbeit Beispiele: Krankschreibungen, vorzeitiges Verlassen von Schichten, eingeschränktes Sitzen oder Stehen, zusätzliche Pausen für Verbandwechsel, Schwierigkeiten mit vorgeschriebener Kleidung. Unser Arbeitsprotokoll (/de/arbeiten-mit-acne-inversa/arbeits-protokoll/) wurde speziell dafür entwickelt, solche Arbeitstage konkret festzuhalten — ohne Konto, nur in Ihrem Browser. Acne inversa kann die Arbeit erheblich belasten — Durchschnittswerte bestimmen aber nicht Ihren GdB Eine deutsche multizentrische Studie fand bei Menschen mit Acne inversa unter anderem krankheitsbedingte Fehlzeiten bei einem erheblichen Teil der Befragten sowie einen im Schnitt spürbar eingeschränkten Arbeitsfähigkeits- und Produktivitätswert im Vergleich zur allgemeinen Beschäftigtenpopulation. Solche Ergebnisse sind Bevölkerungsdurchschnitte. Sie sagen nichts darüber aus, welchen GdB eine bestimmte Person erhalten sollte. Ihr eigener Antrag muss Ihre eigene, langfristige Beeinträchtigung beschreiben — nicht Studienmittelwerte. Was, wenn ich mehrere Erkrankungen habe? Der Gesamt-GdB ergibt sich nicht aus einer einfachen Addition der Einzelwerte. Ein Beispiel: GdB 30 für Acne inversa + GdB 30 für eine Depression ergibt nicht automatisch einen Gesamt-GdB von 60. Die Versorgungsmedizin-Verordnung sieht stattdessen eine Gesamtschau vor, bei der berücksichtigt wird, wie sich die einzelnen Beeinträchtigungen wechselseitig beeinflussen und überschneiden. Manche Einschränkungen betreffen denselben Lebensbereich und wirken sich nicht einfach zusätzlich aus; andere erhöhen die Gesamtbelastung in unterschiedlichen Bereichen. Die abschließende Gesamtbewertung trifft die zuständige Behörde. Ist ein GdB dasselbe wie Arbeitsunfähigkeit? Nein. Das sind unterschiedliche Fragen. GdB beschreibt eine langfristige Teilhabebeeinträchtigung. Arbeitsunfähigkeit betrifft, ob Sie aktuell aus gesundheitlichen Gründen in der Lage sind, Ihre konkrete Tätigkeit auszuüben. Erwerbsminderung ist ein eigenständiger Begriff aus dem Rentenversicherungsrecht, der die verbliebene Erwerbsfähigkeit nach den dort geltenden Maßstäben betrifft. Jemand kann deshalb: - einen hohen GdB haben und trotzdem weiterarbeiten, - vorübergehend arbeitsunfähig sein, ohne einen hohen GdB zu haben, - mit GdB 30 oder 40 eine Gleichstellung aus arbeitsrechtlichen Gründen anstreben. Behandeln Sie diese Begriffe nicht als austauschbar. Wie stelle ich einen Antrag? Zuständig ist je nach Wohnort eine unterschiedlich benannte Behörde — Versorgungsamt, Landesamt, Sozialamt oder eine vergleichbare Stelle des jeweiligen Bundeslandes. Die Behörde prüft die eingereichten medizinischen Unterlagen und erlässt einen Feststellungsbescheid mit dem festgestellten GdB und gegebenenfalls weiteren Merkzeichen. Eine persönliche Untersuchung ist nicht in jedem Fall zwingend erforderlich — viele Entscheidungen beruhen wesentlich auf den eingereichten Unterlagen und ärztlichen Befunden. Aktuelle, vollständige und konkrete Unterlagen sind deshalb entscheidend. Eine praktische Vorbereitungs-Checkliste Prüfen Sie vor einem Antrag, ob Sie diese Fragen klar beantworten können. Krankheitsverlauf - Wann wurde Acne inversa diagnostiziert? - Wie lange bestanden Symptome vor der Diagnose? - Welche Körperregionen waren oder sind betroffen? - Wie häufig treten Rezidive auf? - Gibt es anhaltende Tunnel oder sezernierende Bereiche? Behandlung - Welche medizinischen Behandlungen wurden durchgeführt? - Waren Eingriffe oder Operationen notwendig? - Gab es stationäre Aufenthalte? - Ist weiterhin Wundversorgung erforderlich? Symptome - Wie häufig treten Schmerzen auf? - Wie häufig kommt es zu Sekretion? - Ist Geruch ein wiederkehrendes Thema? - Bestehen schlafbezogene Probleme oder Erschöpfung im Zusammenhang mit Acne inversa? Funktion - Ist Sitzen eingeschränkt? - Ist Gehen eingeschränkt? - Ist die Armbeweglichkeit eingeschränkt? - Sind Verbandwechsel außerhalb der Wohnung notwendig? - Verursacht vorgeschriebene Kleidung oder Schutzausrüstung Probleme? - Sind Haushaltstätigkeiten eingeschränkt? Teilhabe - Werden Arbeit oder Ausbildung wiederholt unterbrochen? - Werden soziale Aktivitäten wegen Sekretion, Schmerz oder Wundversorgung gemieden? - Wird Reisen dadurch schwieriger? - Ist Intimität betroffen? - Ist Unterstützung durch eine andere Person erforderlich? Weitere Diagnosen - Bestehen zusätzlich diagnostizierte körperliche oder seelische Erkrankungen, die die Teilhabe ebenfalls beeinträchtigen? Beantworten Sie diese Fragen nicht, um Ihre Situation schlimmer klingen zu lassen, als sie ist. Ziel ist, eine komplexe, schwankende Erkrankung nicht auf einen einzigen Satz zu verkürzen: „Patient hat Hidradenitis suppurativa." Drei häufige Fehler Fehler 1: Nur die Diagnose einreichen. Eine Diagnose bestätigt die Erkrankung. Sie beschreibt nicht deren vollständige funktionelle Folgen. Fehler 2: Nur die schlechtesten Fotos einreichen. Fotos können das Hautbild dokumentieren. Sie zeigen in der Regel nicht Häufigkeit, Schmerz, Bewegungseinschränkung, Wundversorgungsaufwand, Operationen, Arbeitsauswirkung oder Chronizität. Fehler 3: Sich selbst einen GdB ausrechnen. Veröffentlichte Orientierungswerte sind Teil einer Gesamtbewertung. Sie sind kein Selbsteinschätzungsfragebogen. Nutzen Sie sie, um den Rahmen zu verstehen — nicht, um sich selbst eine Zahl zuzuweisen. Was, wenn ich mit der Entscheidung nicht einverstanden bin? Der Feststellungsbescheid enthält Angaben zu Rechtsbehelfen und Fristen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass relevante Beeinträchtigungen oder Unterlagen nicht berücksichtigt wurden, kann eine unabhängige Beratung sinnvoll sein. Mögliche Anlaufstellen: - die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) (https://www.teilhabeberatung.de/), - Sozialverbände, - Beratungsstellen für Behinderungsfragen, - bei Bedarf eine spezialisierte rechtliche Beratung. Unser vollständiges Verzeichnis offizieller deutscher Unterstützungswege — einschließlich GdB, Gleichstellung, betrieblichem Eingliederungsmanagement und der EUTB — finden Sie unter Offizielle Unterstützungswege in Deutschland (/de/arbeiten-mit-acne-inversa/unterstuetzung-in-deutschland/). Fragen für Ihre dermatologische Praxis - Beschreibt meine Krankenakte klar, wie häufig Acne inversa bei mir wiederkehrt? - Sind alle aktuell betroffenen Körperstellen dokumentiert? - Sind anhaltende Tunnel und Sekretion dokumentiert? - Ist eine durch Narben bedingte Bewegungseinschränkung festgehalten? - Sind frühere Operationen und stationäre Behandlungen aufgeführt? - Ist mein laufender Wundversorgungsaufwand dokumentiert? - Sind relevante Begleiterkrankungen gesondert dokumentiert? - Würde eine kurze Zusammenfassung meiner funktionellen Einschränkungen die Krankenakte klarer machen? Ihre dermatologische Praxis stellt den GdB nicht fest. Eine genaue medizinische Dokumentation kann es der zuständigen Behörde aber erleichtern, Ihren Krankheitsverlauf nachzuvollziehen. Fazit Es gibt keinen festen GdB für Acne inversa. Das deutsche System übersetzt nicht einfach Diagnose → Stadium → Zahl. Es bewertet die langfristige Teilhabebeeinträchtigung. Für Acne inversa machen Faktoren wie Rezidive, Chronizität, Lokalisation, Sekretion, Geruch, Narben, Behandlungslast und funktionelle Einschränkung diese Bewertung besonders relevant. Die sinnvollste Vorbereitung besteht deshalb nicht darin, zu beweisen, dass Acne inversa „schwer genug" ist. Sie besteht darin, einen klaren Nachweis darüber aufzubauen: was passiert, wie oft es passiert, was zwischen den Schüben bleibt — und was diese Probleme im Alltag verhindern oder erfordern. Wenn Kostenübernahme, Biologika oder Reha-Anträge ebenfalls Teil Ihrer aktuellen Situation sind, geht unser Leitfaden zur Kostenübernahme bei Acne inversa (/de/blog/gkv-antrag-kostenuebernahme-acne-inversa/) direkt auf diese Anträge ein. FAQ Welchen GdB bekommt man bei Acne inversa? Es gibt keinen festen GdB für Acne inversa. Die zuständige Behörde bewertet die individuelle, langfristige Teilhabebeeinträchtigung anhand der Versorgungsmedizin-Verordnung und der eingereichten medizinischen Unterlagen – nicht anhand der Diagnose allein. Bedeutet Hurley-Stadium III automatisch GdB 50? Nein. Das Hurley-Stadium beschreibt die strukturelle Ausprägung der Erkrankung, der GdB die Teilhabebeeinträchtigung. Beide Maßstäbe unterscheiden sich, und es gibt keine offizielle Umrechnungstabelle zwischen ihnen. Kann Acne inversa zu einer Schwerbehinderung führen? Möglich, wenn die zuständige Behörde im Einzelfall einen Gesamt-GdB von mindestens 50 feststellt. Die Diagnose allein begründet diese Schwelle nicht. Warum taucht in der Verordnung 'Acne triade' statt Acne inversa auf? Die aktuelle Hauttabelle enthält noch ältere Bezeichnungen. Abschnitt 17.3 listet unter anderem Acne conglobata sowie schwere Formen, die dort als „Acne triade" beziehungsweise „Acne tetrade" bezeichnet werden. Hidradenitis suppurativa oder Acne inversa erscheinen dort nicht unter ihrem heutigen Namen. Was bedeutet GdB 30 oder 40 für die Arbeit? Menschen mit einem festgestellten GdB von 30 oder 40 können bei der Bundesagentur für Arbeit eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen beantragen, wenn behinderungsbedingte Nachteile das Erhalten oder Finden eines geeigneten Arbeitsplatzes erschweren. Ist GdB 50 dasselbe wie arbeitsunfähig? Nein. Der GdB beschreibt eine langfristige Teilhabebeeinträchtigung, die Arbeitsunfähigkeit die aktuelle gesundheitliche Unfähigkeit, die eigene Tätigkeit auszuüben. Beide Fragen werden unterschiedlich und unabhängig voneinander beurteilt. Sollte ich auch beschwerdearme Phasen dokumentieren? Ja, wenn Sie ohnehin ein Verlaufsprotokoll führen. Acne inversa schwankt oft stark, und ein Verlauf mit besseren und schlechteren Phasen ergibt ein realistischeres Bild als nur die schwersten Tage. References 1. Anlage zur Versorgungsmedizin-Verordnung - Gesetze im Internet - https://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/anlage.html 2. Rechte von Menschen mit Schwerbehinderung - gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) - https://gesund.bund.de/schwerbehinderung 3. Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen - Bundesagentur für Arbeit - https://www.arbeitsagentur.de/menschen-mit-behinderungen/spezielle-hilfe-und-unterstuetzung/gleichstellung 4. § 2 SGB IX – Behinderung, Gleichstellung - Gesetze im Internet - https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__2.html 5. § 152 SGB IX – Feststellung der Behinderung, Ausweise - Gesetze im Internet - https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__152.html 6. § 151 SGB IX – Anwendungsbereich - Gesetze im Internet - https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__151.html 7. The impact of hidradenitis suppurativa on professional life - British Journal of Dermatology, 2023 - https://academic.oup.com/bjd/article/188/1/122/6770097